100% Tribute to Joseph Pilates (deutsch)

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Glaucia Adriana in Mönchengladbach, Januar 2016

Glaucia, du bist eine der Produzentinnen des Dokumentarfilms “Tribute to Joseph Pilates”. Ein Jahr lang warst du auf der ganzen Welt unterwegs, hast die wichtigsten Orte aus dem Leben von Joseph Pilates besucht und mit vielen Experten für Pilates und die Geschichte der Pilates-Methode gesprochen! Wie kam es dazu, dass du dich entschieden hast, so viel Zeit und Energie für ein Projekt über Joseph Pilates zu verwenden?

Glaucia: Ja, Eva, ich bin eine der Produzentinnen, gemeinsam mit den Inhabern der  Voll Group, Rafael Juliano und seinen Partnern, Henrique Wolf und Vinicius Machado. Die Idee kam von Rafael, während eines Gesprächs über Pilates und die aktuelle Situation auf der Welt und wie viele, auch Profis im Pilates-Bereich, den Bezug zu den Wurzeln und der Geschichte der Methode verlieren. Ich war verzaubert von der Idee eine Dokumentation zu produzieren, aber, um ganz ehrlich zu sein: Ich hätte nie gedacht, dass am Ende ein so unglaublich gut gemachtes Resultat dabei herauskommt! Ich bin auch Studioinhaberin und Ausbilderin, und je mehr ich in verschiedene Länder gereist bin, desto mehr konnte ich erkennen, dass die Geschichte der Methode vergessen wird. Wenn du nicht weißt, wo du her kommst, wo deine Wurzeln sind, dann kannst du leicht das Gespür dafür verlieren, was bei dieser Arbeit wirklich Sinn macht. Dann fängst du an dir “neue Dinge” auszudenken und nennst das dann Pilates. Ich denke, dass es uns helfen kann, wenn wir mehr über die Geschichte lernen und darüber, was Joseph mit seiner Methode erreichen wollte. Vielleicht denken wir dann zweimal darüber nach, bevor wir irgendwelche neuen Bewegungen, die wir uns ausdenken “Pilates” nennen. Aber auch darüber hinaus: Ich glaube, dass sich durch den Film auch die allgemeine Öffentlichkeit in Pilates verlieben wird, auch wenn sie noch nie eine Pilates-Stunde genommen haben!

Du hast mit so vielen Legenden und wichtigen Leuten aus der Pilates-Welt gesprochen! Lolita San Miguel, Mary Bowen, Mari Winsor, Elizabeth Larkam, Brooke Siler, Kathi Ross Nash, Ken Endelman – um nur einige zu nennen. Wie hast du das geschafft? Wie bist du an diese vielbeschäftigten Leuten herangekommen?

Glaucia: Also ich bin immer noch begeistert darüber, dass so viele Leute mitgemacht haben und uns auch genug vertraut haben, um ein Teil des Projekts zu werden. Das ließ sich nur in ganz kleinen Schritten machen: Ich habe jedem eine Einladung geschickt, eine nach der anderen. Und das erste, was ich klarstellte, war, dass diese Dokumentation keine Marken oder Schulen oder Herangehensweisen bewerben oder vorziehen würde – es würde niemand beworben werden – außer Joseph Pilates selbst.

Erinnerst du dich an all die Orte, die du für den Filmdreh besucht hast? Kannst du uns die wichtigsten aufzählen und vielleicht erklären, warum du dort hingefahren bist?

Glaucia: Ich erinnere mich, ich denke schon. Die wichtigsten waren New York und Mönchengladbach, da besteht kein Zweifel. New York weil es der Ort war, wo ich meine ganzen Recherchen gemacht habe, bevor wir die Interviews gefilmt haben, und Mönchengladbach, weil wir da Zugang zu all dem Archivmaterial hatten und spannende Details erfahren haben über das Leben von Joseph, bevor er nach Amerika auswanderte. Ich muss auch Denver erwähnen: Dort hatten wir die Möglichkeit bei der PMA Konferenz zu filmen und so konnten wir viele der großen Namen der Pilatesindustrie für den Dokumentarfilm gewinnen.

Während all dieser Recherchen, Reisen und Interviews: Gab es ein persönliches Highlight für dich? Vielleicht einen Moment, an dem du dich Joseph Pilates besonders nah fühltest?

Glaucia: Wow, das ist eine schwierige Frage. Es gab viele Momente, in denen ich mich so gefühlt habe. Aber, wenn ich mich entscheiden muss, würde ich sagen, es war bei dem Interview mit John Steel. Vor allem, weil er der einzige war, der wirklich über Joe’s Tod gesprochen hat und der ihm auch persönlich so nah gestanden war, dass er sehr interessante Tatsachen beschreiben konnte. Ich erinnere mich, dass Mary Bowen auch bei seinem Interview zuhörte. Als wir sein Interview beendet hatten, interviewte ich Mary Bowen und er war auch die ganze Zeit dabei und hörte ihr zu. Als ich schließlich auch Marys Interview beendet hatte, und die Filmcrew schon zusammenpackte, blieb ich noch über eine Stunde sitzen und redete einfach mit John. Ich interviewte ihn nicht mehr, aber wir redeten einfach immer weiter über Joseph, stundenlang. Aber ich muss auch hinzufügen, dass mich die meisten Interviews wirklich persönlich weitergebracht und verändert haben, auch für meine Arbeit. Ich habe so viel mitgenommen, ich kann das gar nicht in Worte fassen.

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Von links nach rechts: John Steele, Mary Bowen und Glaucia Adriana beim PMA Meeting in Denver

Du wusstest schon sehr viel über Joseph Pilates und sein Leben, als ihr mit dem Projekt angefangen habt. Bist du auch auf Informationen über ihn gestoßen, die dich wirklich überrascht haben?

Glaucia: Ich dachte, ich wüsste viel über ihn, aber nachdem ich die zwei Biografien gelesen habe, die es gibt, und mich von deiner Biografie besonders habe leiten lassen, kann ich jetzt sagen, dass ich jetzt wirklich den Mann hinter der Methode kennengelernt habe – nicht nur den exzentrischen Deutschen, der nach Amerika einwanderte, um sein erstes Studio zu eröffnen. Was mich wirklich überrascht hat, war sein Drive, seine Leidenschaft etwas zu erreichen. Ich wusste, dass er Erfolg haben wollte, dass er seine Methode auf der ganzen Welt bekannt machen wollte, aber ich hatte nicht gewusst wie fokussiert er war, wie unglaublich intelligent und geschickt, welche Fähigkeiten er fürs Marketing hatte, schon in den 30er und 40er Jahren…  mich haut das immer noch um, wenn ich seine Artikel lese! Diese Tatkraft und diese Überzeugung, dass seine Methode eines Tages die Welt verändern würde – das war der Teil, der mich wirklich überrascht hat.

Nachdem du ein Jahr lang so viel gearbeitet hast (ich weiß, dass du in den letzten Wochen, als ihr den Film geschnitten habt, kaum geschlafen hast) – war es das wert? Würdest du es nochmal tun?

Glaucia: Also, es war ehrlichgesagt mehr als ein Jahr. Wir haben vor fast zwei Jahren angfangen, alles zu organisieren. Also es gab sehr viel Arbeit zusätzlich zu den Interviews. Ich weiß eigentlich gar nicht mehr, wie wir das alles geschafft haben. Klar, hat es sich gelohnt! Ich dachte nicht einmal in meinen kühnsten Träumen, dass das Resultat am Ende so gut werden würde, wie es jetzt geworden ist. Wenn Du etwas wirklich mit Liebe tust und 100% von dir selbst hineingibst, ich denke, dann kannst du mit jedem Ergebnis umgehen, das am Ende herauskommt… Ich meine, ich weiß, es wird sicher auch Kritik geben, aber ich bin so glücklich und begeistert davon, was wir erreicht haben, dass mich jegliche Kritik gar nicht treffen kann, das kann mir garnichts anhaben. Wir haben das alles aus Leidenschaft getan und um Joseph Pilates zu ehren – und ich finde wir haben das gut gemacht. Ich für mich kann auf jeden Fall sagen, dass ich es nochmal genauso machen würde, wenn ich noch einmal von vorne beginnen könnte… Ich würde vielleicht eine etwas bessere Balance mit meinem sonstigen Leben finden und ein bisschen mehr schlafen, während dieser Zeit.

Eine letzte Frage: Bei dem Interview für die Dokumentation hast du alle gefragt, was sie sagen würden, wenn sie die Chance hätten, mit Joseph Pilates persönlich zu sprechen. Wie ist das mit dir? Gibt es irgendetwas, das du ihm gerne sagen würdest?

Glaucia: Weißt du, ich habe diese Frage auch beantwortet, die Filmcrew hat ein Überraschungsinterview mit mir gemacht, das auch im Film auftauchen sollte, aber ich habe mein eigenes Interview nicht geschnitten, kannst du das glauben? Ich habe einfach keinen Grund gesehen, warum ich selbst in dem Film auftauchen sollte, nicht jetzt, vielleicht mal, wenn es eine DVD mit Extras gibt. Aber ich kann mich nicht einmal daran erinnern, was ich in dem Interview geantwortet habe. Aber ich kann dir sagen, was ich machen würden, wenn ich die Möglichkeit hätte, Joe zu treffen und mit ihm zu sprechen. Also, ich würde so viel fragen, dass ich auf jedenfall mehrere Stunden brauchen würde, um mit ihm zu sprechen. Als erstes würde ich ihm danken! Ohne es zu wissen, hat er das Leben so vieler Menschen auf der ganzen Welt verändert: Immer wenn ein Klient in mein Studio kommt und sich besser fühlt, wenn er es verlässt, dann ist das dank Joseph Pilates passiert. Ich würde ihn fragen, wie er das heute sieht: Seine Methode wird in so vielen verschiedenen Versionen unterrichtet, einige tolle Herangehensweisen, andere nicht so gut – ist es das, was er mit seiner Mehtode erreichen wollte? Ich würde ihn mit in ein Pilates-Studio nehmen und fragen: welche Art von Geräten würde er heute erfinden, wo wir so viele technische Möglichkeiten haben und so ziemlich alles bauen können, was wir uns vorstellen können!

Ganz herzlichen Dank, Glaucia, für deine Antworten! Es war super für mich, mehr darüber zu erfahren, was du bei den Dreharbeiten erlebt hast! Vielen lieben Dank für deine Zeit und dass Du so viel gegeben hast, um uns diesen wunderbaren Film über Joseph Pilates zu schenken! 

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