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Gifts for Pilates-Fans

Every year around the middle of December it suddenly comes to my mind: in less than two weeks it will be Christmas and I haven’t bought a single present… Does that sound familiar? I hope not! But just in case I have arranged my Top-Five-Christmas-Gift-Ideas for Pilates-Fans. So that you can lean back and relax instead of hunting through online stores for hours.  I hope you will find something useful!

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Number 1: the documentary “Tribute to Joseph Pilates”. On Vimeo you can buy the movie for streaming (48 hours) or download it. Interested? Have a look at the Trailer or read the Interview with producer Glaucia Adriana.

 

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Number 2 – A one year subscription for Pilates Style Magazine. There is a new issue every two months featuring interesting reports, interviews and many great pictures covering everything that relates to Pilates. They publish great articles about the history of Joseph Pilates and his method.

 

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Number 3: Joseph Pilates’ book “Return to Life Through Contrology” is a must have for every Pilates enthusiast! Beautiful pictures of Joe demonstrating his exercises (taken by George Hoyningen-Huene). I recommend the edition published by the PMA.

 

 

 

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Number 4: Elegant pictures of Carola Strauss-Trier demonstrating Reformer exercises. She was the first pupil of Joseph Pilates who opened her own studio. In  Jillian Hessel’s online store you can order prints of these wonderful pictures, and the dvd of the documentary “Carola Shares” for those who want to learn more about Carola’s work is also available .

 

20161212_115238 Number 5:  For those who can read German. What about a biography of Joseph Pilates, signed by the author? For only  24,99 Euro with no additional shipping costs I will send the book with a personal dedication to wherever you live. Just write an email to evarincke[at]gmail.com!

If there will be no time left for shipping from Europe, just order here😉

I hope you found everything you need – now it’s time to turn on some nice music and enjoy!

 

Geschenke für Pilates-Fans

Alle Jahre wieder fällt es mir Mitte Dezember siedendheiß ein: Keine zwei Wochen mehr bis Weihnachten und ich habe noch kein einziges Geschenk… Geht es euch auch so? Ich hoffe nicht! Falls doch, habe ich hier exklusiv für euch meine Top-Five-Geschenkideen für Pilates-Fans zusammengestellt. Damit ihr euch entspannt auf dem Sofa zurücklehnen könnt, anstatt stundenlang verzweifelt durch Webshops zu clicken. Ich hoffe, es ist etwas Hilfreiches dabei!

20161212_115238 Nummer 1: für Leseratten. Wie wäre es mit einer handsignierten Pilates-Biografie, von der Autorin persönlich verpackt und verschickt? Zum Preis von 24,99 Euro ohne zusätzliche Versandkosten, aber mit persönlicher Widmung, könnt ihr das Buch direkt bei mir bestellen. Schreibt einfach eine Mail an evarincke[at]gmail.com!

Wenn ihr spät dran seid, könnt ihr auch noch in der letzten Sekunde im Herder-Shop das Ebook bestellen:)

 

 

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Nummer 2: für Filmfans – der Dokumentarfilm “Tribute to Joseph Pilates”. Auf Vimeo kann man den Film entweder zum Streamen oder zum Download erwerben. Wär das was? Schaut euch doch mal den Trailer an oder lest das Interview mit Produzentin Glaucia Adriana.

 

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Nummer 3 – für Dauerleser. Verschenke ein Jahresabo für das Pilates Style Magazine. Die englischsprachige Zeitschrift erscheint alle zwei Monate und bringt spannende Reportagen, Interviews und viele tolle Fotos zu allen Bereichen der Pilates-Methode. Immer wieder findet ihr hier auch Artikel zur Geschichte von Joseph Pilates und seiner Methode.

 

 

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Nummer 4 – für Ursprüngliche. Joseph Pilates’ Buch “Return to Life Through Contrology” braucht jeder echte Pilates-Fan! Schon allein wegen der großartigen Fotos (aufgenommen von George Hoyningen-Huene) lohnt es sich… Für alle, die Englisch können, empfehle ich diese von der PMA herausgegebene Ausgabe – wenn’s schnell gehen muss, gibt’s hier eine breitere Auswahl verschiedener Ausgaben. Die schöne deutsche Ausgabe mit einem tollen Reprint des englischen Originals und mit deutscher Übersetzung hat leider eine etwas längere Lieferzeit, aber wenn ihr schnell seid, könnte es noch klappen.

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Nummer 5 – für Fortgeschrittene. Diese wunderbaren Fotos zeigen Carola Strauss-Trier auf dem Reformer. Sie war die erste Schülerin von Joseph Pilates,  die ein eigenes Studio eröffnete. Auf der Homepage von Jillian Hessel könnt ihr nicht nur Drucke dieser tollen Bilder bestellen, sondern auch den Dokumentarfilm “Carola Shares” für alle, die noch mehr über ihre Arbeit erfahren wollen.

 

 

So, nun seid ihr hoffentlich ausgestattet – und könnt schöne Musik anmachen und einfach die Vorweihnachtszeit genießen!

 

Starke Frauen 1: Carola Strauss-Trier

Die starken Frauen der Geschichte der Pilates-Methode, 1

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Carola am Reformer (with permission of Jillian Hessel, http://www.jillianhessel.com/store.html#pposter)

Carola Strauss-Trier eröffnete das erste Pilates-Studio weltweit – nach Joseph Pilates selbst natürlich. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, die Pilates-Methode auf dem Gebiet der Rehabilitation zu etablieren. Ihre Lebensgeschichte ist mindestens so aufregend wie die von Joseph Pilates – sie enthält jedoch so viel Leid und Schrecken, dass es schwer zu ertragen ist. Ihre Memoiren konnte sie nicht zu Ende schreiben, weil viele ihrer Erinnerungen zu schmerzhaft waren – und doch hat sie überlebt, weitergelebt und Großes geleistet!

Carola wurde 1913 in Frankfurt am Main geboren. Ihr Vater war Eduard Strauß, ein renommierter Chemiker, der aber auch vergleichende Religionswissenschaften am „Jüdischen Lehrhaus“ in Frankfurt unterrichtete. Carola wuchs in einem inspirierenden intellektuellen Umfeld auf – Martin Buber und Franz Rosenzweig waren enge Freunde der Familie. Sie selbst schlug eine künstlerische Laufbahn ein und begann eine Tanzausbildung an der Folkwang-Schule in Essen.

1933 kamen kurz vor ihrem 20. Geburtstag die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht – die Mehrheit der Tänzerinnen und Tänzer unterstützte diese „Bewegung“, von der man sich Erneuerung versprach und neuen Ruhm für die deutsche Nation. Doch für Carola als Jüdin war es eine Katastrophe. Während der ersten zwei Jahre der Nazi-Diktatur hielt sie sich mit kleinen Engagements in Unterhaltungsshows über Wasser und versuchte vor allem nicht aufzufallen. 1935 hielt sie die Angst nicht mehr aus und ging nach Frankreich. Ohne Dokumente, als halblegale Immigrantin, schlug sie sich als Tänzerin in Nachtclubs durch. Auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive begann sie sich für Akrobatik zu interessieren und lernte dabei den Akrobatik-Lehrer Marcel Naydorf kennen. Die beiden verliebten sich ineinander. Sie entwickelte ihre eigene Rollschuh-Show, die ein Erfolg wurde, und ihr Leben begann, sich ein wenig zu stabilisieren.

Da brach der Zweite Weltkrieg aus. Die deutsche Wehrmacht marschierte im Norden Frankreichs ein und Carola wurde interniert – von den Franzosen. Aus französischer Sicht war sie eine Deutsche, eine feindliche Ausländerin. Dass sie vor den Nazis geflüchtet war, spielte erstmal keine Rolle. Aus Paris wurde sie in das Internierungslager Gurs gebracht. Marcel Naydorf folgte ihr, versorgte sie dort mit zusätzlichen Lebensmitteln und es gelang ihm, ihre Entlassung zu bewirken.

Es folgten wieder Jahre der Angst. Carola lebte mit Marcel in der sogenannten freien Zone, dem Teil von Frankreich, den die Wehrmacht noch nicht besetzt hatte. Sie wartete verzweifelt auf ein Visum für die Vereinigten Staaten, denn es war vollkommen klar, dass ihr Leben in höchster Gefahr war. Im Juni 1942 bekam sie endlich eine Einreisegenehmigung für die USA. Es war eine Rettung im letzten Moment: Kurz nachdem sich Carola auf die komplizierte Reise über Algerien in Richtung Casablanca aufgemacht hatte, wurde in der „freien Zone“ im Auftrag der Deutschen eine Razzia durchgeführt, bei der  tausende Jüdinnen und Juden festgenommen und nach Auschwitz deportiert wurden.

Nach ihrer Ankunft in den USA wurde Carola erneut interniert: In Fort Howard bei Baltimore überprüfte nun die amerikanische Seite, ob sie tatsächlich als schutzbedürftiger Flüchtling oder nicht doch als feindliche Ausländerin einzustufen sei. Ohne ihren Partner, der kein Visum für die USA erhalten hatte, musste sich Carola nun erneut ein neues Leben aufbauen. Carola fing bald wieder an zu tanzen und sie trat mit einer Rollschuh-Show auf – ihre Rollschuhe waren einer der wenigen Gegenstände, die sie aus Europa mitgenommen hatte. Dann hatte sie 1944 einen schweren Bühnenunfall. Ihr behandelnder Arzt im Lennox Hill Hospital in New York, Dr. Henry Jordan, empfahl ihr für die Rehabilitation das Studio von Joseph Pilates. Er selbst trainierte auch dort.

Die erste Begegnung zwischen Joe und Carola stelle ich mir schwierig vor. Hätte sie eine Wahl gehabt, hätte die junge Frau nach Jahren der Verfolgung durch die Nazis sicher nicht einen Mann wie Joe Pilates mit seinem starken deutschen Akzent ausgewählt, um ihre Reha durchzuführen. Da sie ihrem Arzt Dr. Henry Jordan jedoch vollkommen vertraute, ließ sie sich darauf ein. Und sie war begeistert! Sie war fasziniert von der Effektivität der Pilates-Methode. Sie erkannte, dass Joseph Pilates eine großartige Methode für die Rehabilitation von Tänzern entwickelt hatte. Sie blieb auch nach ihrer erfolgreichen Rehabilitation ständiger Gast im Pilates-Studio und hospitierte, wenn Joseph Pilates mit Reha-Patienten arbeitete.

Zusätzlich bildete sie sich im medizinischen Bereich weiter. Sie hospitierte bei Dr. Henry Jordan und begann, ihn bei der Rehabilitation von Tänzerinnen und Tänzern zu unterstützen. Ende der Fünfziger Jahre, nachdem sie also über zehn Jahre lang im Pilates-Studio von Joseph Pilates gelernt hatte, entschloss sie sich, ein eigenes Studio zu eröffnen. In der Zwischenzeit hatte sie Edgar Trier geheiratet und so eröffnete sie das Studio als Carola S. Trier.

Ihr Studio befand sich in der 58. Straße in New York, nur zwei Blocks von Joes und Claras Studio in der Eighth Avenue entfernt. Durch ihre enge Zusammenarbeit mit Ärzten – neben Henry Jordan arbeitete sie auch intensiv mit dessen Kollegen Dr. William Liebler vom Lenox Hill Hospital zusammen – und ihre Kontakte ins Showbusiness hatte Carola Trier von Beginn an großen Zulauf von Klientinnen aus der Tanzwelt. Ihr straff geführtes, schickes Studio war anders als das Orginal.

Carola Triers Studio war modern und eher zurückhaltend eingerichtet, während sich viele Klienten in Joseph Pilates’ Studio mittlerweile wie bei einer Zeitreise fühlten. Während in der Eighth Avenue jede und jeder selbst für sein Training verantwortlich war, arbeitete man bei Carola Trier one on one. Sie und ihre Assistentinnen bereiteten die Geräte für die Übungen vor, gaben Anweisungen und Feedback. Das Studio lief so gut, dass Carola Trier mehrere Assistentinnen einstellen konnte. Zu ihren Assistentinnen gehörten über die Jahre große Namen wie Romana Kryzanowska und Kathy Grant.

Es gab aber auch einige Gemeinsamkeiten zwischen Carola Trier und Joseph Pilates. Wie er wirkte sie streng und konnte leicht explodieren. Wie Joseph Pilates mochte sie es nicht, wenn in ihrem Studio viel geredet wurde. Und wie er hatte sie zeitlebens einen deutschen Akzent. Eine weitere Gemeinsamkeit war das Interesse, die eigene Arbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch in diesem Bereich war Carola Trier äußerst erfolgreich. 1961 berichtete das Dance Magazine in zwei Artikeln über ihre Arbeit mit Tänzerinnen. 1963 gelang es ihr mit einigen selbst entwickelten Übungen sogar in die Newsweek und die Vogue zu kommen.

“Neue Wege zu einer besseren Figur”, hieß es in der Vogue vom Mai 1963, “nutze jeden Schritt, den du machst […] Ein Grundrezept aus Carola Triers Trainingsstudio, wo schönere Figuren produziert und Ballettnamen ganz nach oben katapultiert werden.” Da sie in den Hochglanzmagazinen nur eigene Übungen präsentiert hatte, war es aus Carolas Sicht nicht nötig gewesen, den Namen von Joseph Pilates zu erwähnen. Er sah das anders und das Verhältnis der beiden kühlte in den letzten Jahren vor seinem Tod merklich ab.

Aus heutiger Sicht hat die Arbeit von Carola Trier Joseph Pilates und seiner Methode jedoch enorm genutzt. Bis 1986 führte sie ihr erfolgreiches Studio in New York City. Ihre Arbeit im Bereich der Rehabilitation war die Voraussetzung dafür, dass Pilates heute in der Reha weltweit genutzt wird, mittlerweile in der Wirkung durch zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigt. Carola Trier bildete zahlreiche Trainerinnen und Trainer aus, die heute zu den einflussreichsten der Pilates-Welt gehören: Lolita San Miguel, Alan Herdman, Deborah Lessen, Jillian Hessel und viele mehr. Sie war es, die Patin für einen Berufsweg stand, den heute unzählige Tänzerinnen und Tänzer gehen, wenn sie ihre aktive Karriere beendet haben: sie werden Pilates-Trainer!

Mehr über Leben und Werk von Carola Strauss-Trier :

Doku und Interviews über Carola auf Pilates Anytime

Ihre unvollendeten Memoiren (Leo Baeck Institute)

Jilllian Hessel im Pilates Style Magazine über ihre Mentorinnen Carola Trier und Kathy Grant

 Im Webshop von Jillian Hessel könnt ihr auch das wunderbare Foto von ihr auf dem Reformer als Kunstplakat bestellen!

100% Tribute to Joseph Pilates (deutsch)

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Glaucia Adriana in Mönchengladbach, Januar 2016

Glaucia, du bist eine der Produzentinnen des Dokumentarfilms “Tribute to Joseph Pilates”. Ein Jahr lang warst du auf der ganzen Welt unterwegs, hast die wichtigsten Orte aus dem Leben von Joseph Pilates besucht und mit vielen Experten für Pilates und die Geschichte der Pilates-Methode gesprochen! Wie kam es dazu, dass du dich entschieden hast, so viel Zeit und Energie für ein Projekt über Joseph Pilates zu verwenden?

Glaucia: Ja, Eva, ich bin eine der Produzentinnen, gemeinsam mit den Inhabern der  Voll Group, Rafael Juliano und seinen Partnern, Henrique Wolf und Vinicius Machado. Die Idee kam von Rafael, während eines Gesprächs über Pilates und die aktuelle Situation auf der Welt und wie viele, auch Profis im Pilates-Bereich, den Bezug zu den Wurzeln und der Geschichte der Methode verlieren. Ich war verzaubert von der Idee eine Dokumentation zu produzieren, aber, um ganz ehrlich zu sein: Ich hätte nie gedacht, dass am Ende ein so unglaublich gut gemachtes Resultat dabei herauskommt! Ich bin auch Studioinhaberin und Ausbilderin, und je mehr ich in verschiedene Länder gereist bin, desto mehr konnte ich erkennen, dass die Geschichte der Methode vergessen wird. Wenn du nicht weißt, wo du her kommst, wo deine Wurzeln sind, dann kannst du leicht das Gespür dafür verlieren, was bei dieser Arbeit wirklich Sinn macht. Dann fängst du an dir “neue Dinge” auszudenken und nennst das dann Pilates. Ich denke, dass es uns helfen kann, wenn wir mehr über die Geschichte lernen und darüber, was Joseph mit seiner Methode erreichen wollte. Vielleicht denken wir dann zweimal darüber nach, bevor wir irgendwelche neuen Bewegungen, die wir uns ausdenken “Pilates” nennen. Aber auch darüber hinaus: Ich glaube, dass sich durch den Film auch die allgemeine Öffentlichkeit in Pilates verlieben wird, auch wenn sie noch nie eine Pilates-Stunde genommen haben!

Du hast mit so vielen Legenden und wichtigen Leuten aus der Pilates-Welt gesprochen! Lolita San Miguel, Mary Bowen, Mari Winsor, Elizabeth Larkam, Brooke Siler, Kathi Ross Nash, Ken Endelman – um nur einige zu nennen. Wie hast du das geschafft? Wie bist du an diese vielbeschäftigten Leuten herangekommen?

Glaucia: Also ich bin immer noch begeistert darüber, dass so viele Leute mitgemacht haben und uns auch genug vertraut haben, um ein Teil des Projekts zu werden. Das ließ sich nur in ganz kleinen Schritten machen: Ich habe jedem eine Einladung geschickt, eine nach der anderen. Und das erste, was ich klarstellte, war, dass diese Dokumentation keine Marken oder Schulen oder Herangehensweisen bewerben oder vorziehen würde – es würde niemand beworben werden – außer Joseph Pilates selbst.

Erinnerst du dich an all die Orte, die du für den Filmdreh besucht hast? Kannst du uns die wichtigsten aufzählen und vielleicht erklären, warum du dort hingefahren bist?

Glaucia: Ich erinnere mich, ich denke schon. Die wichtigsten waren New York und Mönchengladbach, da besteht kein Zweifel. New York weil es der Ort war, wo ich meine ganzen Recherchen gemacht habe, bevor wir die Interviews gefilmt haben, und Mönchengladbach, weil wir da Zugang zu all dem Archivmaterial hatten und spannende Details erfahren haben über das Leben von Joseph, bevor er nach Amerika auswanderte. Ich muss auch Denver erwähnen: Dort hatten wir die Möglichkeit bei der PMA Konferenz zu filmen und so konnten wir viele der großen Namen der Pilatesindustrie für den Dokumentarfilm gewinnen.

Während all dieser Recherchen, Reisen und Interviews: Gab es ein persönliches Highlight für dich? Vielleicht einen Moment, an dem du dich Joseph Pilates besonders nah fühltest?

Glaucia: Wow, das ist eine schwierige Frage. Es gab viele Momente, in denen ich mich so gefühlt habe. Aber, wenn ich mich entscheiden muss, würde ich sagen, es war bei dem Interview mit John Steel. Vor allem, weil er der einzige war, der wirklich über Joe’s Tod gesprochen hat und der ihm auch persönlich so nah gestanden war, dass er sehr interessante Tatsachen beschreiben konnte. Ich erinnere mich, dass Mary Bowen auch bei seinem Interview zuhörte. Als wir sein Interview beendet hatten, interviewte ich Mary Bowen und er war auch die ganze Zeit dabei und hörte ihr zu. Als ich schließlich auch Marys Interview beendet hatte, und die Filmcrew schon zusammenpackte, blieb ich noch über eine Stunde sitzen und redete einfach mit John. Ich interviewte ihn nicht mehr, aber wir redeten einfach immer weiter über Joseph, stundenlang. Aber ich muss auch hinzufügen, dass mich die meisten Interviews wirklich persönlich weitergebracht und verändert haben, auch für meine Arbeit. Ich habe so viel mitgenommen, ich kann das gar nicht in Worte fassen.

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Von links nach rechts: John Steele, Mary Bowen und Glaucia Adriana beim PMA Meeting in Denver

Du wusstest schon sehr viel über Joseph Pilates und sein Leben, als ihr mit dem Projekt angefangen habt. Bist du auch auf Informationen über ihn gestoßen, die dich wirklich überrascht haben?

Glaucia: Ich dachte, ich wüsste viel über ihn, aber nachdem ich die zwei Biografien gelesen habe, die es gibt, und mich von deiner Biografie besonders habe leiten lassen, kann ich jetzt sagen, dass ich jetzt wirklich den Mann hinter der Methode kennengelernt habe – nicht nur den exzentrischen Deutschen, der nach Amerika einwanderte, um sein erstes Studio zu eröffnen. Was mich wirklich überrascht hat, war sein Drive, seine Leidenschaft etwas zu erreichen. Ich wusste, dass er Erfolg haben wollte, dass er seine Methode auf der ganzen Welt bekannt machen wollte, aber ich hatte nicht gewusst wie fokussiert er war, wie unglaublich intelligent und geschickt, welche Fähigkeiten er fürs Marketing hatte, schon in den 30er und 40er Jahren…  mich haut das immer noch um, wenn ich seine Artikel lese! Diese Tatkraft und diese Überzeugung, dass seine Methode eines Tages die Welt verändern würde – das war der Teil, der mich wirklich überrascht hat.

Nachdem du ein Jahr lang so viel gearbeitet hast (ich weiß, dass du in den letzten Wochen, als ihr den Film geschnitten habt, kaum geschlafen hast) – war es das wert? Würdest du es nochmal tun?

Glaucia: Also, es war ehrlichgesagt mehr als ein Jahr. Wir haben vor fast zwei Jahren angfangen, alles zu organisieren. Also es gab sehr viel Arbeit zusätzlich zu den Interviews. Ich weiß eigentlich gar nicht mehr, wie wir das alles geschafft haben. Klar, hat es sich gelohnt! Ich dachte nicht einmal in meinen kühnsten Träumen, dass das Resultat am Ende so gut werden würde, wie es jetzt geworden ist. Wenn Du etwas wirklich mit Liebe tust und 100% von dir selbst hineingibst, ich denke, dann kannst du mit jedem Ergebnis umgehen, das am Ende herauskommt… Ich meine, ich weiß, es wird sicher auch Kritik geben, aber ich bin so glücklich und begeistert davon, was wir erreicht haben, dass mich jegliche Kritik gar nicht treffen kann, das kann mir garnichts anhaben. Wir haben das alles aus Leidenschaft getan und um Joseph Pilates zu ehren – und ich finde wir haben das gut gemacht. Ich für mich kann auf jeden Fall sagen, dass ich es nochmal genauso machen würde, wenn ich noch einmal von vorne beginnen könnte… Ich würde vielleicht eine etwas bessere Balance mit meinem sonstigen Leben finden und ein bisschen mehr schlafen, während dieser Zeit.

Eine letzte Frage: Bei dem Interview für die Dokumentation hast du alle gefragt, was sie sagen würden, wenn sie die Chance hätten, mit Joseph Pilates persönlich zu sprechen. Wie ist das mit dir? Gibt es irgendetwas, das du ihm gerne sagen würdest?

Glaucia: Weißt du, ich habe diese Frage auch beantwortet, die Filmcrew hat ein Überraschungsinterview mit mir gemacht, das auch im Film auftauchen sollte, aber ich habe mein eigenes Interview nicht geschnitten, kannst du das glauben? Ich habe einfach keinen Grund gesehen, warum ich selbst in dem Film auftauchen sollte, nicht jetzt, vielleicht mal, wenn es eine DVD mit Extras gibt. Aber ich kann mich nicht einmal daran erinnern, was ich in dem Interview geantwortet habe. Aber ich kann dir sagen, was ich machen würden, wenn ich die Möglichkeit hätte, Joe zu treffen und mit ihm zu sprechen. Also, ich würde so viel fragen, dass ich auf jedenfall mehrere Stunden brauchen würde, um mit ihm zu sprechen. Als erstes würde ich ihm danken! Ohne es zu wissen, hat er das Leben so vieler Menschen auf der ganzen Welt verändert: Immer wenn ein Klient in mein Studio kommt und sich besser fühlt, wenn er es verlässt, dann ist das dank Joseph Pilates passiert. Ich würde ihn fragen, wie er das heute sieht: Seine Methode wird in so vielen verschiedenen Versionen unterrichtet, einige tolle Herangehensweisen, andere nicht so gut – ist es das, was er mit seiner Mehtode erreichen wollte? Ich würde ihn mit in ein Pilates-Studio nehmen und fragen: welche Art von Geräten würde er heute erfinden, wo wir so viele technische Möglichkeiten haben und so ziemlich alles bauen können, was wir uns vorstellen können!

Ganz herzlichen Dank, Glaucia, für deine Antworten! Es war super für mich, mehr darüber zu erfahren, was du bei den Dreharbeiten erlebt hast! Vielen lieben Dank für deine Zeit und dass Du so viel gegeben hast, um uns diesen wunderbaren Film über Joseph Pilates zu schenken! 

DANKE!

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Dankbarer Rückblick auf ein Jahr voller schöner Lesungen

Als ich Freitagabend mit einer Zimtschnecke in der einen und einem Glas Tee in der anderen Hand im Kerzenschein in Carolin Dyckhoffs weitläufigem Pilates-Studio in Aachen stand, überkam mich plötzlich das Bedürfnis einmal Danke zu sagen: Danke an all die großartigen Frauen, die mich im Verlauf des letzten Jahres zu Lesungen eingeladen haben!

Ihr macht mir Mut! Und den brauche ich momentan dringender denn je. Letzte Woche wurde ein Mann zum US-Präsidenten gewählt, der jeglichen Respekt für Frauen vermissen lässt. Ich will nicht, dass meine Tochter in einer Welt aufwächst, in der Frauen sich alles gefallen lassen und sich an Machos hängen, die sie für stark halten. Ich will, dass meine Tochter stark und selbstständig wird. Ich will, dass sie sich Frauen wie euch zum Vorbild nimmt!

Niemals in meinem Leben habe ich so viele starke Frauen getroffen wie in der Pilates-Welt. Begeisterte Trainerinnen, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben und so zur Studioinhaberin geworden sind, zur Unternehmerin. Ihr seid ein Risiko eingegangen und es hat sich gelohnt. Kein Wunder: Bei jeder Lesung in einem Pilates-Studio kamen begeisterte Klienten auf mich zu, die von der großartigen Studioinhaberin schwärmten, von dem tollen Training, von der guten Stimmung, und davon, wie gern sie an diesen Ort kommen!

Ich möchte euch danken für die tolle Arbeit, die ihr jeden Tag macht, und dafür, dass ihr zeigt, was in uns steckt! Ihr macht mir Mut! Und zum Dank dafür widme ich euch eine neue Serie auf meinem Blog, in der es um die Frauen gehen wird, die die Pilates-Methode groß gemacht haben. Starten werde ich mit einem Artikel zu Carola Trier: Sie war nach Joseph Pilates die erste Person, die ein Pilates-Studio eröffnet hat!

Ich danke: Bea Eggimann, Britta Brechtefeld, Carolin Dyckhoff, Caroline Schmid, Corina Hengse, Davorka Kulenovic, Elizabeth Abraham, Ge Gurak, Glaucia Adriana, Joanne Cobbe, Kerstin Bredehorn, Kristina Dietrich, Petra Weitzel, Priska Jessberger-Merle, Sabine Blum, Sylvia Klemperer, Ute Weiler, Wiebke Schüssler, Yaelle Penkhoss

 

Joe’s Fotograf: George Hoyningen-Huene

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Die Recherchen zu den Klienten des Pilates Studios in der 8th Avenue in New York fand ich manchmal so spannend, dass ich immer wieder auf Abwege geriet und mich dabei ertappte, dass ich plötzlich über die Biografie eines Klienten recherchierte und Joseph Pilates völlig aus den Augen verloren hatte. Manchmal förderten die Abschweifungen jedoch auch bisher unbekanntes Material über Joseph Pilates zutage… Lest selbst!

George Hoyningen-Huene, der Fotograf, der die Fotos für Joseph Pilates’ Buch Return to Life through Contrology gemacht hatte, gehörte zu den Personen, die mich ganz besonders faszinierten. Der Sohn einer Amerikanerin und eines baltischen Adligen, der am Zarenhof die prestigeträchtige Position des Stallmeisters innehatte, war 1900 in St. Petersburg geboren. Sein Lebensweg führte ihn über Yalta, London, den Kaukasus und Paris nach New York und später nach Los Angeles: Was die Anzahl der Wohnorte anging konnte er es also durchaus mit Joseph Pilates aufnehmen.

Als sich die beiden Männer Ende der Dreißiger Jahre im Pilates-Studio in der 8th Avenue in New York begegneten, fotografierte George Hoyningen-Huene für das amerikanische Modemagazin Harpers Bazaar. Und er wollte stärker werden:

Was mich bei Foto-Shootings immer wieder behinderte war die körperliche Anstrengung des Hebens und Verschiebens von Scheinwerfern, Bühnenbildern und Halterungen. Mein Kollege, der verstorbene George Platt Lynes empfahl mir einen Kurs in körperlicher Fitness im Fitnessstudio von Joseph Pilates zu machen. Joes Methode erschien mir als vernünftigste und wissenschaftlichste Herangehensweise und nach ein paar Monaten musste ich alle meine Kleider ändern lassen. Abgesehen davon, dass ich ein enger Freund von Joe und seiner Frau Clara wurde, trainierte ich fünf Jahre lang im Studio und am Ende machten wir einen Dokumentationsfilm und ich fotografierte sein gesamtes Programm für sein Buch RETURN TO LIFE. Ich verdanke Joe viel im Hinblick auf moralische Unterstützung, Liebenswürdigkeit und echte Freundschaft.

Für diesen Fund hatte sich das Abschweifen doch wirklich gelohnt!

Vermutlich verdankte Joseph Pilates George Hoyningen-Huene im Gegenzug nicht nur die großartigen Fotografien in seinem Buch Return to Life Through Contrology, sondern auch die Tatsache, dass das Buch überhaupt veröffentlicht wurde. Es erschien nämlich 1945 bei J.J. Augustin – im selben Verlag, in dem George Hoyningen-Huene seine Foto-Bildbände veröffentlichte.

Als George Hoyningen-Huene 1945 New York verließ und sich endgültig von der Modewelt verabschiedete, endete auch sein Training im Pilates-Studio. Er begann an der Art Center School in Los Angeles Fotografie zu unterrichten. Doch er ließ die Welt des Glamours nicht vollständig hinter sich. Als Farbberater arbeitete er jahrelang mit dem Regisseur George Cukor zusammen und unterstützte ihn bei Filmen mit Judy Garland, Ava Gardner usw! George Hoyningen Huene starb 1968, ein Jahr nach Joe Pilates, im Alter von 68 Jahren an einem Schlaganfall.

Eine atemberaubende Lebensgeschichte, nicht wahr? Hattet Ihr schon von George Hoyningen-Huene gehört? Seid Ihr auch so fasziniert wie ich? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!

 

Fotos von Goerge Hoyningen-Huene findet Ihr hier:

Fahey Klein Gallery

Staley Wise

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Clara Pilates und die Weihnachtsbäume

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Weihnachtsbäume in New York (Foto: Eva Rincke, 2014)

Bei den Recherchen für ein Buch findet man immer wieder diese kleinen Details, die vielleicht nicht wirklich relevant für das Thema sind, aber dafür umso besser im Gedächtnis haften bleiben. Mir geht es so zum Beispiel mit Clara und den Weihnachtsbäumen.

In Bruce Kings Nachruf auf Clara Pilates im Dance Magazine erfuhr ich, dass sie mit großer Begeisterung Weihnachtsbäume geschmückt hat – und zwar nicht nur in ihrer Wohnung, sondern auch im Pilates-Studio.

“Jedes Jahr schmückte sie im neuen Studio den Weihnachtsbaum und führte damit die Tradition fort, die sie im alten Studio einführt hatte,” schrieb Bruce King.

Diese kleine Detail passt gut zu dem, was die meisten Zeitzeugen, die im Pilates-Studio trainiert haben, über Clara erzählen: über ihre einfühlsame Art zu unterrichten, über ihre Präsenz, darüber wie häufig sie die Wogen glätten musste, wenn Joseph Pilates mal wieder Klienten verärgert hatte. Natürlich schmückte diese um Harmonie bemühte Frau auch gerne Weihnachtsbäume!

Für mich brachte Bruce Kings Erinnerung aber noch einen weiteren Charakterzug Claras zum Vorschein: ihre Entschlossenheit, die es durchaus mit der Entschlossenheit von Joe Pilates aufnehmen konnte. Immerhin war Clara zu dem Zeitpunkt, als das Pilates-Studio aus dem alten Gebäude in der 8th Avenue in die 56. Straße umzog, schon 89 Jahre alt. Sie konnte kaum noch sehen, das Laufen bereitete ihr große Schmerzen. Aber sie ließ es sich auch am neuen Standort nicht nehmen, alljährlich den Baum zu schmücken. Eine resolute alte Dame!

Wahrscheinlich kommt mir diese Geschichte jetzt wieder in den Sinn, weil in meiner Wohnung zwei ebenso begeisterte Baumschmücker herumwuseln. Meine Kinder sind zwar wesentlich jünger als Clara Pilates damals, aber genauso entschlossen, es mit dem Baum aufzunehmen und die Welt weihnachtlich zu machen, komme, was da wolle. Noch ein paar Tage warten? Oh nein, bitte Mama, bitte jetzt! Lange werde ich die zwei wohl nicht mehr zurückhalten können. Dann holen wir den Baum vom Balkon, stellen ihn im Wohnzimmer auf und schmücken drauf los! Wir lassen uns nicht aufhalten, genau wie Clara!

Ich wünsche Euch allen ein schönes Weihnachtsfest – mit oder ohne Baum! Und vor allem ein gesundes und fröhliches neues Jahr!

Eure Eva Rincke