100% Tribute to Joseph Pilates (deutsch)

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Glaucia Adriana in Mönchengladbach, Januar 2016

Glaucia, du bist eine der Produzentinnen des Dokumentarfilms “Tribute to Joseph Pilates”. Ein Jahr lang warst du auf der ganzen Welt unterwegs, hast die wichtigsten Orte aus dem Leben von Joseph Pilates besucht und mit vielen Experten für Pilates und die Geschichte der Pilates-Methode gesprochen! Wie kam es dazu, dass du dich entschieden hast, so viel Zeit und Energie für ein Projekt über Joseph Pilates zu verwenden?

Glaucia: Ja, Eva, ich bin eine der Produzentinnen, gemeinsam mit den Inhabern der  Voll Group, Rafael Juliano und seinen Partnern, Henrique Wolf und Vinicius Machado. Die Idee kam von Rafael, während eines Gesprächs über Pilates und die aktuelle Situation auf der Welt und wie viele, auch Profis im Pilates-Bereich, den Bezug zu den Wurzeln und der Geschichte der Methode verlieren. Ich war verzaubert von der Idee eine Dokumentation zu produzieren, aber, um ganz ehrlich zu sein: Ich hätte nie gedacht, dass am Ende ein so unglaublich gut gemachtes Resultat dabei herauskommt! Ich bin auch Studioinhaberin und Ausbilderin, und je mehr ich in verschiedene Länder gereist bin, desto mehr konnte ich erkennen, dass die Geschichte der Methode vergessen wird. Wenn du nicht weißt, wo du her kommst, wo deine Wurzeln sind, dann kannst du leicht das Gespür dafür verlieren, was bei dieser Arbeit wirklich Sinn macht. Dann fängst du an dir “neue Dinge” auszudenken und nennst das dann Pilates. Ich denke, dass es uns helfen kann, wenn wir mehr über die Geschichte lernen und darüber, was Joseph mit seiner Methode erreichen wollte. Vielleicht denken wir dann zweimal darüber nach, bevor wir irgendwelche neuen Bewegungen, die wir uns ausdenken “Pilates” nennen. Aber auch darüber hinaus: Ich glaube, dass sich durch den Film auch die allgemeine Öffentlichkeit in Pilates verlieben wird, auch wenn sie noch nie eine Pilates-Stunde genommen haben!

Du hast mit so vielen Legenden und wichtigen Leuten aus der Pilates-Welt gesprochen! Lolita San Miguel, Mary Bowen, Mari Winsor, Elizabeth Larkam, Brooke Siler, Kathi Ross Nash, Ken Endelman – um nur einige zu nennen. Wie hast du das geschafft? Wie bist du an diese vielbeschäftigten Leuten herangekommen?

Glaucia: Also ich bin immer noch begeistert darüber, dass so viele Leute mitgemacht haben und uns auch genug vertraut haben, um ein Teil des Projekts zu werden. Das ließ sich nur in ganz kleinen Schritten machen: Ich habe jedem eine Einladung geschickt, eine nach der anderen. Und das erste, was ich klarstellte, war, dass diese Dokumentation keine Marken oder Schulen oder Herangehensweisen bewerben oder vorziehen würde – es würde niemand beworben werden – außer Joseph Pilates selbst.

Erinnerst du dich an all die Orte, die du für den Filmdreh besucht hast? Kannst du uns die wichtigsten aufzählen und vielleicht erklären, warum du dort hingefahren bist?

Glaucia: Ich erinnere mich, ich denke schon. Die wichtigsten waren New York und Mönchengladbach, da besteht kein Zweifel. New York weil es der Ort war, wo ich meine ganzen Recherchen gemacht habe, bevor wir die Interviews gefilmt haben, und Mönchengladbach, weil wir da Zugang zu all dem Archivmaterial hatten und spannende Details erfahren haben über das Leben von Joseph, bevor er nach Amerika auswanderte. Ich muss auch Denver erwähnen: Dort hatten wir die Möglichkeit bei der PMA Konferenz zu filmen und so konnten wir viele der großen Namen der Pilatesindustrie für den Dokumentarfilm gewinnen.

Während all dieser Recherchen, Reisen und Interviews: Gab es ein persönliches Highlight für dich? Vielleicht einen Moment, an dem du dich Joseph Pilates besonders nah fühltest?

Glaucia: Wow, das ist eine schwierige Frage. Es gab viele Momente, in denen ich mich so gefühlt habe. Aber, wenn ich mich entscheiden muss, würde ich sagen, es war bei dem Interview mit John Steel. Vor allem, weil er der einzige war, der wirklich über Joe’s Tod gesprochen hat und der ihm auch persönlich so nah gestanden war, dass er sehr interessante Tatsachen beschreiben konnte. Ich erinnere mich, dass Mary Bowen auch bei seinem Interview zuhörte. Als wir sein Interview beendet hatten, interviewte ich Mary Bowen und er war auch die ganze Zeit dabei und hörte ihr zu. Als ich schließlich auch Marys Interview beendet hatte, und die Filmcrew schon zusammenpackte, blieb ich noch über eine Stunde sitzen und redete einfach mit John. Ich interviewte ihn nicht mehr, aber wir redeten einfach immer weiter über Joseph, stundenlang. Aber ich muss auch hinzufügen, dass mich die meisten Interviews wirklich persönlich weitergebracht und verändert haben, auch für meine Arbeit. Ich habe so viel mitgenommen, ich kann das gar nicht in Worte fassen.

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Von links nach rechts: John Steele, Mary Bowen und Glaucia Adriana beim PMA Meeting in Denver

Du wusstest schon sehr viel über Joseph Pilates und sein Leben, als ihr mit dem Projekt angefangen habt. Bist du auch auf Informationen über ihn gestoßen, die dich wirklich überrascht haben?

Glaucia: Ich dachte, ich wüsste viel über ihn, aber nachdem ich die zwei Biografien gelesen habe, die es gibt, und mich von deiner Biografie besonders habe leiten lassen, kann ich jetzt sagen, dass ich jetzt wirklich den Mann hinter der Methode kennengelernt habe – nicht nur den exzentrischen Deutschen, der nach Amerika einwanderte, um sein erstes Studio zu eröffnen. Was mich wirklich überrascht hat, war sein Drive, seine Leidenschaft etwas zu erreichen. Ich wusste, dass er Erfolg haben wollte, dass er seine Methode auf der ganzen Welt bekannt machen wollte, aber ich hatte nicht gewusst wie fokussiert er war, wie unglaublich intelligent und geschickt, welche Fähigkeiten er fürs Marketing hatte, schon in den 30er und 40er Jahren…  mich haut das immer noch um, wenn ich seine Artikel lese! Diese Tatkraft und diese Überzeugung, dass seine Methode eines Tages die Welt verändern würde – das war der Teil, der mich wirklich überrascht hat.

Nachdem du ein Jahr lang so viel gearbeitet hast (ich weiß, dass du in den letzten Wochen, als ihr den Film geschnitten habt, kaum geschlafen hast) – war es das wert? Würdest du es nochmal tun?

Glaucia: Also, es war ehrlichgesagt mehr als ein Jahr. Wir haben vor fast zwei Jahren angfangen, alles zu organisieren. Also es gab sehr viel Arbeit zusätzlich zu den Interviews. Ich weiß eigentlich gar nicht mehr, wie wir das alles geschafft haben. Klar, hat es sich gelohnt! Ich dachte nicht einmal in meinen kühnsten Träumen, dass das Resultat am Ende so gut werden würde, wie es jetzt geworden ist. Wenn Du etwas wirklich mit Liebe tust und 100% von dir selbst hineingibst, ich denke, dann kannst du mit jedem Ergebnis umgehen, das am Ende herauskommt… Ich meine, ich weiß, es wird sicher auch Kritik geben, aber ich bin so glücklich und begeistert davon, was wir erreicht haben, dass mich jegliche Kritik gar nicht treffen kann, das kann mir garnichts anhaben. Wir haben das alles aus Leidenschaft getan und um Joseph Pilates zu ehren – und ich finde wir haben das gut gemacht. Ich für mich kann auf jeden Fall sagen, dass ich es nochmal genauso machen würde, wenn ich noch einmal von vorne beginnen könnte… Ich würde vielleicht eine etwas bessere Balance mit meinem sonstigen Leben finden und ein bisschen mehr schlafen, während dieser Zeit.

Eine letzte Frage: Bei dem Interview für die Dokumentation hast du alle gefragt, was sie sagen würden, wenn sie die Chance hätten, mit Joseph Pilates persönlich zu sprechen. Wie ist das mit dir? Gibt es irgendetwas, das du ihm gerne sagen würdest?

Glaucia: Weißt du, ich habe diese Frage auch beantwortet, die Filmcrew hat ein Überraschungsinterview mit mir gemacht, das auch im Film auftauchen sollte, aber ich habe mein eigenes Interview nicht geschnitten, kannst du das glauben? Ich habe einfach keinen Grund gesehen, warum ich selbst in dem Film auftauchen sollte, nicht jetzt, vielleicht mal, wenn es eine DVD mit Extras gibt. Aber ich kann mich nicht einmal daran erinnern, was ich in dem Interview geantwortet habe. Aber ich kann dir sagen, was ich machen würden, wenn ich die Möglichkeit hätte, Joe zu treffen und mit ihm zu sprechen. Also, ich würde so viel fragen, dass ich auf jedenfall mehrere Stunden brauchen würde, um mit ihm zu sprechen. Als erstes würde ich ihm danken! Ohne es zu wissen, hat er das Leben so vieler Menschen auf der ganzen Welt verändert: Immer wenn ein Klient in mein Studio kommt und sich besser fühlt, wenn er es verlässt, dann ist das dank Joseph Pilates passiert. Ich würde ihn fragen, wie er das heute sieht: Seine Methode wird in so vielen verschiedenen Versionen unterrichtet, einige tolle Herangehensweisen, andere nicht so gut – ist es das, was er mit seiner Mehtode erreichen wollte? Ich würde ihn mit in ein Pilates-Studio nehmen und fragen: welche Art von Geräten würde er heute erfinden, wo wir so viele technische Möglichkeiten haben und so ziemlich alles bauen können, was wir uns vorstellen können!

Ganz herzlichen Dank, Glaucia, für deine Antworten! Es war super für mich, mehr darüber zu erfahren, was du bei den Dreharbeiten erlebt hast! Vielen lieben Dank für deine Zeit und dass Du so viel gegeben hast, um uns diesen wunderbaren Film über Joseph Pilates zu schenken! 

THANK YOU!

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Last Friday I was standing in Carolin Dyckhoff’s beautiful candle lit Pilates studio in Aachen, holding a cinnamon roll in one hand and a glass of tea in the other, and I suddenly felt the urge to say „Thank you!“: A big Thanks to all of the wonderful women who invited me to readings and presentations during the last year!

You give me courage! And I need it more than ever right now. Last week a man who lacks every trace of respect for women was elected the new president of the United States. I don’t want my daughter to grow up in a world of women who put up with everything and attach themselves to machos they consider strong. I want her to be strong and independent. I want her to choose you as role models!

Never in my life have I met so many strong women like in the Pilates world. Enthusiastic teachers who dared to take the step into self-employment and became a studio owner, a businesswoman. You are successful – you took a risk and it was worth it. No wonder: After every reading in a Pilates studio rapt clients approached me to rave about their wonderful studio owner, amazing work-outs, a great atmosphere and about how much they enjoy spending time at this particular place.

I want to thank you for the great job you’re doing every day, and that you show us what women are made of! You give me courage!

I’m starting a new series on my blog about the women who made the Pilates method big. The first post will be about Carola Trier: After Joseph Pilates she was the first person to open a Pilates studio!

Thank you: Bea Eggimann, Britta Brechtefeld, Carolin Dyckhoff, Caroline Schmid, Corina Hengse, Davorka Kulenovic, Elizabeth Abraham, Ge Gurak, Glaucia Adriana, Joanne Cobbe, Kerstin Bredehorn, Kristina Dietrich, Petra Weitzel, Priska Jessberger-Merle, Sabine Blum, Sylvia Klemperer, Ute Weiler, Wiebke Schüssler, Yaelle Penkhoss

 

DANKE!

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Dankbarer Rückblick auf ein Jahr voller schöner Lesungen

Als ich Freitagabend mit einer Zimtschnecke in der einen und einem Glas Tee in der anderen Hand im Kerzenschein in Carolin Dyckhoffs weitläufigem Pilates-Studio in Aachen stand, überkam mich plötzlich das Bedürfnis einmal Danke zu sagen: Danke an all die großartigen Frauen, die mich im Verlauf des letzten Jahres zu Lesungen eingeladen haben!

Ihr macht mir Mut! Und den brauche ich momentan dringender denn je. Letzte Woche wurde ein Mann zum US-Präsidenten gewählt, der jeglichen Respekt für Frauen vermissen lässt. Ich will nicht, dass meine Tochter in einer Welt aufwächst, in der Frauen sich alles gefallen lassen und sich an Machos hängen, die sie für stark halten. Ich will, dass meine Tochter stark und selbstständig wird. Ich will, dass sie sich Frauen wie euch zum Vorbild nimmt!

Niemals in meinem Leben habe ich so viele starke Frauen getroffen wie in der Pilates-Welt. Begeisterte Trainerinnen, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben und so zur Studioinhaberin geworden sind, zur Unternehmerin. Ihr seid ein Risiko eingegangen und es hat sich gelohnt. Kein Wunder: Bei jeder Lesung in einem Pilates-Studio kamen begeisterte Klienten auf mich zu, die von der großartigen Studioinhaberin schwärmten, von dem tollen Training, von der guten Stimmung, und davon, wie gern sie an diesen Ort kommen!

Ich möchte euch danken für die tolle Arbeit, die ihr jeden Tag macht, und dafür, dass ihr zeigt, was in uns steckt! Ihr macht mir Mut! Und zum Dank dafür widme ich euch eine neue Serie auf meinem Blog, in der es um die Frauen gehen wird, die die Pilates-Methode groß gemacht haben. Starten werde ich mit einem Artikel zu Carola Trier: Sie war nach Joseph Pilates die erste Person, die ein Pilates-Studio eröffnet hat!

Ich danke: Bea Eggimann, Britta Brechtefeld, Carolin Dyckhoff, Caroline Schmid, Corina Hengse, Davorka Kulenovic, Elizabeth Abraham, Ge Gurak, Glaucia Adriana, Joanne Cobbe, Kerstin Bredehorn, Kristina Dietrich, Petra Weitzel, Priska Jessberger-Merle, Sabine Blum, Sylvia Klemperer, Ute Weiler, Wiebke Schüssler, Yaelle Penkhoss

 

Joe’s Photographer: George Hoyningen-Huene

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Doing research about the clients of the Pilates Studio on  8th Avenue in New York was sometimes so intriguing that I kept going astray. Suddenly I realized that I was actually doing research about the biography of a client and had for the moment completely forgotten about Joseph Pilates. In a few instances my meandering unearthed unknown sources about Joseph Pilates…

George Hoyningen-Huene, the photographer who took the pictures for Joe’s book Return to Life through Contrology was one of those who fascinated me the most. The son of an American mother and a Baltic father from an aristocratic family who had held the prestigious position of an equerry for the czar was born in 1900 in St. Petersburg. His path of life led him to Yalta, London, the Caucasus and Paris, to New York and finally to Los Angeles: So in terms of the number of the places of residence he could take on Joseph Pilates!

George Hoyningen-Huene met Joseph Pilates in the latter’s studio on 8th Avenue in New York in the end of the 1930ies. At that time George Hoyningen-Huene was working as a photographer for the American fashion magazine Harpers Bazaar. Before that he had been working in Paris for Vogue.  Now he turned to Joe Pilates, because he needed more strenghth for his work:

One of my handicaps during my photographic sitting was the strain of lifting and moving lights, scenery and props. My collegue the late George Platt Lynes advised me to take a course in Physical Fitness at the gymnasium of Joseph Pilates. Joe’s method struck me as the most reasonable and scientific approach and after a few months I had to have all my clothes altered. Apart from becoming a great friend of Joe’s and his wife Clara, I kept up my studies for five years and in the end we made a motion picture documentary and I photographed his entire routine for his book RETURN TO LIFE. I owe Joe much in the way of moral support, kindness and genuine friendship.

In return Joseph Pilates owed George Hoyningen-Huene not only the  wonderful photography in his book Return to Life Through Contrology, but probably also the fact that the book was published at all. After years of looking for a publisher it finally was released in 1945 by  J.J. Augustin – the same house that had published George Hoyningen-Huene’s illustrated travel books.

When George Hoyningen-Huene left New York City in 1945 he not only terminated his relations with the fashion world – it was also the end of his workouts in the Pilates Studio. He became a photography professor at Art Center School in Los Angeles. But he still had some connections to the world of glamour. As a couselor for colors in the new technicolor motion pictures he collaborated for years with director George Cukor and assisted him in movies featuring Judy Garland, Ava Gardner and many other stars. George Hoyningen Huene died at the age of  68 because of a stroke. He died in 1968, one year after Joe Pilates had died.

A breathtaking life story, isn’t it? Have you heard about George Hoyningen-Huene before? Are you just as fascinated as I am? I’m looking forward to your comments!

Here you find photos by Goerge Hoyningen-Huene:

Fahey Klein Gallery

Staley Wise

Only Old Photography

Joe’s Fotograf: George Hoyningen-Huene

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Die Recherchen zu den Klienten des Pilates Studios in der 8th Avenue in New York fand ich manchmal so spannend, dass ich immer wieder auf Abwege geriet und mich dabei ertappte, dass ich plötzlich über die Biografie eines Klienten recherchierte und Joseph Pilates völlig aus den Augen verloren hatte. Manchmal förderten die Abschweifungen jedoch auch bisher unbekanntes Material über Joseph Pilates zutage… Lest selbst!

George Hoyningen-Huene, der Fotograf, der die Fotos für Joseph Pilates’ Buch Return to Life through Contrology gemacht hatte, gehörte zu den Personen, die mich ganz besonders faszinierten. Der Sohn einer Amerikanerin und eines baltischen Adligen, der am Zarenhof die prestigeträchtige Position des Stallmeisters innehatte, war 1900 in St. Petersburg geboren. Sein Lebensweg führte ihn über Yalta, London, den Kaukasus und Paris nach New York und später nach Los Angeles: Was die Anzahl der Wohnorte anging konnte er es also durchaus mit Joseph Pilates aufnehmen.

Als sich die beiden Männer Ende der Dreißiger Jahre im Pilates-Studio in der 8th Avenue in New York begegneten, fotografierte George Hoyningen-Huene für das amerikanische Modemagazin Harpers Bazaar. Und er wollte stärker werden:

Was mich bei Foto-Shootings immer wieder behinderte war die körperliche Anstrengung des Hebens und Verschiebens von Scheinwerfern, Bühnenbildern und Halterungen. Mein Kollege, der verstorbene George Platt Lynes empfahl mir einen Kurs in körperlicher Fitness im Fitnessstudio von Joseph Pilates zu machen. Joes Methode erschien mir als vernünftigste und wissenschaftlichste Herangehensweise und nach ein paar Monaten musste ich alle meine Kleider ändern lassen. Abgesehen davon, dass ich ein enger Freund von Joe und seiner Frau Clara wurde, trainierte ich fünf Jahre lang im Studio und am Ende machten wir einen Dokumentationsfilm und ich fotografierte sein gesamtes Programm für sein Buch RETURN TO LIFE. Ich verdanke Joe viel im Hinblick auf moralische Unterstützung, Liebenswürdigkeit und echte Freundschaft.

Für diesen Fund hatte sich das Abschweifen doch wirklich gelohnt!

Vermutlich verdankte Joseph Pilates George Hoyningen-Huene im Gegenzug nicht nur die großartigen Fotografien in seinem Buch Return to Life Through Contrology, sondern auch die Tatsache, dass das Buch überhaupt veröffentlicht wurde. Es erschien nämlich 1945 bei J.J. Augustin – im selben Verlag, in dem George Hoyningen-Huene seine Foto-Bildbände veröffentlichte.

Als George Hoyningen-Huene 1945 New York verließ und sich endgültig von der Modewelt verabschiedete, endete auch sein Training im Pilates-Studio. Er begann an der Art Center School in Los Angeles Fotografie zu unterrichten. Doch er ließ die Welt des Glamours nicht vollständig hinter sich. Als Farbberater arbeitete er jahrelang mit dem Regisseur George Cukor zusammen und unterstützte ihn bei Filmen mit Judy Garland, Ava Gardner usw! George Hoyningen Huene starb 1968, ein Jahr nach Joe Pilates, im Alter von 68 Jahren an einem Schlaganfall.

Eine atemberaubende Lebensgeschichte, nicht wahr? Hattet Ihr schon von George Hoyningen-Huene gehört? Seid Ihr auch so fasziniert wie ich? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!

 

Fotos von Goerge Hoyningen-Huene findet Ihr hier:

Fahey Klein Gallery

Staley Wise

Only Old Photography

Clara Pilates and her Christmas trees

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Christmas trees in Manhattan (photo: Eva Rincke, 2014)

Doing research for a book you find all these whimsy details that are not exactly relevant for your topic, but you still keep thinking about them. For me one of those is Clara and her Christmas trees.

In Bruce King’s Obituary for Clara Pilates in Dance Magazine I learned that she liked trimming Christmas trees – not only at home but also in the studio.

“Every year she trimmed the Christmas tree in the new studio, continuing the tradition she had established in the old one.”, Bruce King wrote.

This little detail fits very well with how those who were working out in the Pilates studio were remembering Clara: her emphatic way of teaching, her presence, the way she poured oil on troubled water after Joe Pilates’ outbursts in the studio. Of course this woman loved trimming Christmas trees!

For me Bruce King’s memory also brought to light another part of Clara character: her determination. When the studio moved from the old building on 8th Avenue to new premises on 56th street Clara was 89 years old. She almost couldn’t see anymore, walking was very painful. But still she insisted on trimming the Christmas tree herself. A resolute old Lady!

Probably the story came to my head just now, because there are two little Christmas-tree-trimmers bustling about in our flat. My kids are much younger than Clara in the 1970ies, but they are just as determined about taking on the tree and preparing the world for Christmas, no matter what. Wait a few days? No, please Mom, let’s start NOW! I won’t be able to keep them back much longer. Then we’re going to take the tree inside to the living room and start trimming away! Nothing’s gonna stop us, we’re just like Clara!

A wonderful Christmas for all of you – with or without a tree! And above all: a Healthy and Happy New Year!

Best,

Eva

Clara Pilates und die Weihnachtsbäume

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Weihnachtsbäume in New York (Foto: Eva Rincke, 2014)

Bei den Recherchen für ein Buch findet man immer wieder diese kleinen Details, die vielleicht nicht wirklich relevant für das Thema sind, aber dafür umso besser im Gedächtnis haften bleiben. Mir geht es so zum Beispiel mit Clara und den Weihnachtsbäumen.

In Bruce Kings Nachruf auf Clara Pilates im Dance Magazine erfuhr ich, dass sie mit großer Begeisterung Weihnachtsbäume geschmückt hat – und zwar nicht nur in ihrer Wohnung, sondern auch im Pilates-Studio.

“Jedes Jahr schmückte sie im neuen Studio den Weihnachtsbaum und führte damit die Tradition fort, die sie im alten Studio einführt hatte,” schrieb Bruce King.

Diese kleine Detail passt gut zu dem, was die meisten Zeitzeugen, die im Pilates-Studio trainiert haben, über Clara erzählen: über ihre einfühlsame Art zu unterrichten, über ihre Präsenz, darüber wie häufig sie die Wogen glätten musste, wenn Joseph Pilates mal wieder Klienten verärgert hatte. Natürlich schmückte diese um Harmonie bemühte Frau auch gerne Weihnachtsbäume!

Für mich brachte Bruce Kings Erinnerung aber noch einen weiteren Charakterzug Claras zum Vorschein: ihre Entschlossenheit, die es durchaus mit der Entschlossenheit von Joe Pilates aufnehmen konnte. Immerhin war Clara zu dem Zeitpunkt, als das Pilates-Studio aus dem alten Gebäude in der 8th Avenue in die 56. Straße umzog, schon 89 Jahre alt. Sie konnte kaum noch sehen, das Laufen bereitete ihr große Schmerzen. Aber sie ließ es sich auch am neuen Standort nicht nehmen, alljährlich den Baum zu schmücken. Eine resolute alte Dame!

Wahrscheinlich kommt mir diese Geschichte jetzt wieder in den Sinn, weil in meiner Wohnung zwei ebenso begeisterte Baumschmücker herumwuseln. Meine Kinder sind zwar wesentlich jünger als Clara Pilates damals, aber genauso entschlossen, es mit dem Baum aufzunehmen und die Welt weihnachtlich zu machen, komme, was da wolle. Noch ein paar Tage warten? Oh nein, bitte Mama, bitte jetzt! Lange werde ich die zwei wohl nicht mehr zurückhalten können. Dann holen wir den Baum vom Balkon, stellen ihn im Wohnzimmer auf und schmücken drauf los! Wir lassen uns nicht aufhalten, genau wie Clara!

Ich wünsche Euch allen ein schönes Weihnachtsfest – mit oder ohne Baum! Und vor allem ein gesundes und fröhliches neues Jahr!

Eure Eva Rincke