Unbekannter Superstar

Roberta Peters trainiert bei Joseph Pilates (Foto: Michael Rougier)
Roberta Peters trainiert bei Joseph Pilates (Foto: Michael Rougier)

Am 9. Oktober 1967 starb Joseph Pilates in New York. Er war 83 Jahre alt geworden und ärgerte sich bis zum Schluss, dass es ihm nicht gelungen war, seine Methode bekannter zu machen. Heute, 48 Jahre später, ist Joseph Pilates’ dringlicher Wunsch längst in Erfüllung gegangen: Die Pilates-Methode wird auf der ganzen Welt von Millionen von Menschen praktiziert!

Um so erstaunlicher ist die Tatsache, dass die Person Joseph Pilates nach wie vor nur einem relativ kleinen Kreis von eingeweihten Pilates-Enthusiasten bekannt ist. Gerade in Deutschland, seinem Heimatland, ist Joseph Pilates ein Unbekannter. Wenn ich erzähle, dass ich ein Buch über Joseph Pilates geschrieben habe, werde ich häufig gefragt: „Ah, hatte der was mit Pilates zu tun?“

Dieses Ungleichgewicht in der Bekanntheit von Mensch und Werk hängt sicherlich damit zusammen, dass der große Durchbruch der Pilates-Methode erst Jahrzehnte nach dem Tod ihres Erfinders gelang. Ein Toter schafft es schlechter in die Nachrichten – es sei denn er hat schon zu Lebzeiten einen Platz in der medialen Öffentlichkeit erobert. Joseph Pilates ist das nur eingeschränkt gelungen: In den Vereinigten Staaten gab es in den fünfziger und sechziger Jahren immer wieder Artikel über ihn in der Presse. In seinem Heimatland Deutschland hingegen lernte man ihn erst kennen, als die Pilates-Methode seit den neunziger Jahren langsam und nach dem Millennium dann immer schneller an Boden gewann.

Es waren Frauen, die der Pilates-Methode zu der enormen Bekanntheit verhalfen, die sie heute genießt. Madonna und Oprah Winfrey lösten Ende der Neunziger den weltweiten Pilates-Boom aus. In Deutschland war es Barbara Becker, die mit ihrer Begeisterung für die Methode viele ansteckte. In Konkurrenz zu diesen Frauen hatte Joseph Pilates natürlich keine Chance: Wer denkt schon an einen längst verstorbenen Mann, während eine Frau von diesem Kaliber seine Übungen vorführt?

Ich glaube nicht, dass Joseph Pilates sich daran gestört hätte. Er hatte immer eine Schwäche für Frauen und er liebte es, mit Frauen zu arbeiten. Er war stolz darauf, wenn er sie stark machen konnte. Als die Zeitschrift „Life“ 1951 die Koloratursopranistin Roberta Peters beim Training im Pilates-Studio fotografierte, blieb er als stolzer Personal Trainer ganz im Hintergrund. Vielleicht ist die Rolle des unbekannten Superstars genau richtig für ihn.

Zum Weiterstöbern: Im Life Photo Archive (hosted by google) gibt es eine ganze Reihe weiterer Fotos aus der Session mit Michael Rougier für die Zeitschrift “Life”. Das sind großartige Einblicke ins originale Pilates Studio auf der Eighth Avenue!

Gymnastic Roots

Turnbild Friedrich Pilates
© Stadtarchiv Mönchengladbach

 

The picture of Joseph’s father Friedrich Pilates in the middle of a group of gymnasts posing in front of Gladbach city hall is one of the most exciting exhibits of the city archives in Mönchengladbach. It is worth it to take a closer look, because it can tell us a lot about gymnastics (Turnen) and its influence on Joseph Pilates and his method!

The men posing in front of the city hall have brought several pieces of gymnastic equipment. Let’s have a look at Joseph’s father.

Turnfoto Friedrich Stab

Friedrich Pilates is holding a barbell: a bar with iron balls on both ends. On the floor are some small barbells. These pieces of equipment show that Friedrich Pilates was practicing heavy athletics in his gymnastic club:  strength training, weight lifting etc. In the late 19th century heavy athletics was only just developing. It was quite extraordinary that Joseph Pilates was shown the basics of strength training when he was still a boy. It was the perfect starting point for someone who would later develop a successful strengthening method himself.

The next cutting shows two gymnasts sitting on the pommel horse, one of the classical pieces of equipment of German gymnastics.

Turnfoto Pferd

Friedrich Ludwig Jahn, well known founder of German gymnastics, had introduced the pommel horse under the name of “Schwingel” (I’m sorry: I have no idea how to translate that). This piece of equipment is made out of wood and leather. The same materials that Joseph Pilates used when he started building his own apparatus like the Reformer. He had been familiar with the feel of the surface and the smell of these materials since he was a kid.

Let’s take a look at a third cutting. It shows two more pieces of traditional gymnastic equipment: the parallel bars and the pole for pole-vaulting.

Turnfoto Barren und Stab

The history of pole-vaulting leads back into ancient Greece. Throughout his life the Greek athlets were Joseph Pilates’s ideal for a good way of treating one’s body. (As Raphael Holzdeppe showed wining silver at the athletics world championship in Peking pole-vaulting is still a favorite event among German gymnasts: Congratulations!) The parallel bars are the big piece of equipment in the background, they were also developed by Friedrich Ludwig Jahn.

But: the story of how this picture made it to the city archives of  Mönchengladbach is almost more exciting than the picture itself!

Turnfoto Fred

See the label on the left hand side? It’s a clue. This is the address of Joe’s brother Fred Pilates (=Clemens F. Pilates) in St. Louis. When he emigrated to the United States 1923, three years earlier than his brother, he took along this picture of his father.

Six decades later, in 1982, Mary Kay and Fred Gladbach, a couple from St. Louis, went on a trip to Europe. One stop was Mönchengladbach where they visited the city archives, because they wanted to find out whether the surname “Gladbach” came from ancestors in this city. Unfortunately they didn’t find anything, but they made the best of it and went sightseeing in the beautiful historic city center of Gladbach.

Back in St. Louis some years later at a garage sale they discovered the print of a historic photo showing the yard of Gladbach city hall! The surname Pilates didn’t ring a bell, but they were so happy about their find that they bought the picture at once, paying 15 dollars. The Gladbachs commissioned a reproduction of the picture and sent it to the mayor of Mönchengladbach who gave it to the city archives. After two more decades had passed, in 2004 archivist Gerd Lamers suddenly recalled the picture when people started asking him about Joseph Pilates, so he added it to the collection about Joseph Pilates.

It is thanks to this fortunate chain of coincidence that we can enjoy this picture!

 

Many thanks to the city archives of Mönchengladbach for the permission to use the photo!

Josephs Turnvater

Turnbild Friedrich Pilates
© Stadtarchiv Mönchengladbach

Das Foto von Josephs Vater Friedrich Pilates, der mit einer Gruppe von Turnern vor dem Gladbacher Rathaus posiert, gehört für mich zu den spannendsten Exponaten im Stadtarchiv Mönchengladbach. Es lohnt sich, einen Blick auf ein paar Einzelheiten zu werfen, denn es erzählt eine Menge über das Turnen, das Joseph Pilates und seine Methode stark geprägt hat!

Die Männer, die vor dem Rathaus posieren,  haben die Geräte mitgebracht, mit denen sie als Turner arbeiten. Sehen wir uns zunächst Josephs Vater genauer an, der im Zentrum der Gruppe steht.

Turnfoto Friedrich Stab

Friedrich Pilates hält eine Stange, an deren Enden zwei Eisenkugeln befestigt sind, eine sogenannte Langhantel. Auf dem Boden liegen außerdem kleine Hanteln. Diese Geräte zeigen, dass Friedrich Pilates in seinem Turnverein Schwerathletik praktizierte: Krafttraining, Gewichtheben und alles, was dazugehört. Die Schwerathletik war im späten 19. Jahrhundert eine junge Disziplin, es war etwas Besonderes, dass Joseph Pilates durch seinen Vater schon als Kind ans Krafttraining herangeführt wurde. Perfekte Ausgangsbedingungen, um später selbst eine erfolgreiche Methode zur Körperkräftigung zu entwickeln.

Auf dem nächsten Ausschnitt sehen wir zwei Turner auf dem Pferd, einem der klassischen Turngeräte.

Turnfoto Pferd

Schon Friedrich Ludwig Jahn hatte das Pferd unter dem Namen “Schwingel” eingeführt.  Das Gerät ist aus Holz und Leder gefertigt. Das sind genau die  Materialien, die Joseph Pilates später auch für seine eigenen Geräte wie den Reformer verwendete. Haptik und Geruch dieser Materialien waren ihm seit der Kindheit vertraut.

Sehen wir uns noch einen dritten Ausschnitt an. Hier sind zwei weitere traditionelle Turngeräte zu sehen: Barren und Stab.

Turnfoto Barren und Stab

Die Geschichte des Stabhochsprungs geht zurück bis ins antike Griechenland, die griechischen Athleten blieben für Joseph Pilates zeitlebens Vorbild für einen guten Umgang mit dem Körper. Dass der Stabhochsprung unter deutschen Turnern bis heute hoch im Kurs steht, hat ja Raphael Holzdeppe gerade gezeigt, als er in Peking Silber geholt hat: Herzlichen Glückwunsch dazu! Das große Gerät, das im Hintergrund zu sehen ist, der Barren, geht ebenfalls auf Friedrich Ludwig Jahn zurück.

Die Geschichte, wie dieses Foto ins Stadtarchiv Mönchengladbach gelangte, ist übrigens beinahe noch spannender als das Foto selbst!

Turnfoto Fred

Der Aufkleber in der oberen linken Ecke gibt einen ersten Hinweis. Es ist die Adresse von Joseph Pilates’ Bruder Fred (=Clemens F. Pilates) in St. Louis. Als er 1923 drei Jahre vor seinem älteren Bruder in die USA auswanderte, nahm er dieses Bild seines Vaters als Erinnerung mit.

Sechs Jahrzehnte später, im Jahr 1982, machten Mary Kay und Fred Gladbach, ein Ehepaar aus St. Louis, eine Europareise. Eine ihrer Stationen war Mönchengladbach, wo sie das Stadtarchiv besuchten, weil sie herausfinden wollten, ob der Nachname “Gladbach” auf Vorfahren aus dieser Stadt zurückging. Leider fanden sie nichts, aber sie besichtigten trotzdem ausgiebig die schöne Gladbacher Altstadt. Besonders das Rathaus in der Abtei mit seinem von Säulen geschmückten Innenhof prägte sich ihnen ein.

Zurück in St. Louis entdeckten sie wenige Jahre später auf einem Hausflohmarkt den Abzug eines historischen Fotos, das im Hof das Gladbacher Rathauses aufgenommen worden war! Der Name Pilates sagte ihnen nichts, aber sie freuten sich so sehr über diesen Zufallsfund, dass sie das Bild zum Preis von 15 Dollar sofort kauften. Die Gladbachs ließen eine Reproduktion des Fotos anfertigen und schickten sie an den Bürgermeister von Mönchengladbach, der es wiederum dem Stadtarchiv übergab. Als beinahe zwei Jahrzehnte später, im Jahr 2004, die erste Anfrage nach Joseph Pilates kam, erinnerte sich Stadtarchivar Gerd Lamers an das Foto und fügte es der Sammlung zu Joseph Pilates hinzu.

Dank dieser Kette von Zufällen können wir uns jetzt an diesem Bild und seinen spannenden Facetten erfreuen!

Vielen Dank an das Stadtarchiv Mönchengladbach für die Erlaubnis, das Foto in meinem Blog zu nutzen!

Leseprobe

Pilates Titel

Für alle, die neugierig auf das Buch sind, hier noch einmal die deutsche Leseprobe an prominenter Stelle:

Leseprobe: Joseph Pilates. Der Mann, dessen Name Programm wurde

Die Leseprobe enthält das erste Kapitel, das über Joseph Pilates’ Kindheit berichtet, und einen Teil des sechsten Kapitels mit der Beschreibung seiner ersten Erfolge in New York. Jetzt sind es nur noch drei Wochen bis zum Erscheinungstermin! Ich bin gespannt auf Eure Kommentare…

Joe Pilates and boxing

Boxing and Pilates – from my point of view these were two completely different worlds which had nothing to do with each other. But when I started to take a closer look at the life of Joe Pilates I realized that boxing was his passion.

Boxing was a big part of Joe’s life. His father taught him. He was an enthusiastic gymnast (Turner) – for him boxing was an integral part of gymnastics (Turnen). This was by no means the general opinion of 19th century Prussians. Most people thought of boxing as rude and typically English which made it an unpatriotic act for a Prussian to indulge in it. Boxing in public was banned.

At the beginning of the First World War Joseph Pilates was living in England. Like all German men of military age a couple of months after the beginning of the war he was interned as an “enemy alien”. September 12th, 1915, he was transferred from a camp in Lancaster to the internment camp Knockaloe on the Ilse of Man. Among the internees – more than 20 000 men from Germany, Austria and Turkey – were many boxers. Experienced professionals like Toni Abele from Stuttgart in Southern Germany who had been boxing as a pro in England for years and young, promising talents like Hans Breitensträter who would later become a Heavyweight Champion in Germany. Training was about to start!

Joe Pilates quickly became an important part of the boxing community of Knockaloe. He is mentioned in the camp paper Knockaloe Lager Zeitung of January 25th, 1917, as a referee in a boxing match. And the German boxing magazine Box-Sport wrote about him in an article of December 15, 1920: „Josef Pilates, well known to all boxers and sports men who have been interned in England…“

The high quality of the training organized by Knockaloe boxers showed when they were allowed to return to Germany in 1919. The Twenties were the first Golden Age for boxing in Germany and the boxers from Knockaloe dominated the scene. German heavyweight champion Hans Breitensträter was the most glamorous and best known of the group. Joseph Pilates also was a part of the boom, even if he didn’t reach the highest level of professional boxing: He opened a boxing gym in Gelsenkirchen and he also climbed into the ring himself. In 1922 Box-Sport wrote about several professional fights of Joe Pilates. The following article about a fight between Joe Pilates and Fritz Dubois, former German Middleweight Champion, who had also been interned in Knockaloe in Zentral-Theater in Gelsenkirchen March 5, 1922, is so detailed it makes you feel you were part of it:

Box-Sport 1 Box-Sport 2

When Joseph Pilates moved to Hamburg in 1923, he closed his boxing gym and ended his active boxing career. But boxing was still an important part of his life. He was teaching self-defense to police men of “Ordnungspolizei” Hamburg. Self-defence meant: boxing and jiu jitsu. And he watched high class boxing matches organized in Hamburg by promoter  Walter Rotenburg . This is how Joe Pilates met  boxing journalist Nat Fleischer from New York, founder of the legendary Ring Magazine. US promoter Tex Rickard had asked Fleischer to keep his eyes open for a possible opponent for heavy weight champion Jack Dempsey. It was Joe Pilates who pointed out a young talented boxer to Nat Fleischer: Max Schmeling. Fleischer didn’t hesitate for too long. He encouraged Max Schmeling to come to the United States. And when Schmeling arrived in New York he helped him  find his way into American boxing.

Joe Pilates was already in New York when Schmeling arrived. He had  immigrated to the United States in the spring of 1926. Nat Fleischer helped him set up his studio and he became a witness when Joe Pilates applied for American citizenship. Thanks to Nat Fleischer boxers were among the first clients of the studio Joe Pilates set up on 8th Avenue in Manhattan. One of them was Charlie Massera, a young heavyweight from Pennsylvania,  who came to Joe’s Studio in 1932. February 9th, 1934, the Daily Republican from Monongahela, Pennsylvania, reported about Massera’s training with “Prof. Joe Pilates”: “In three months, Massera hardened his muscles to such extent that he could take a solid wallop in the stomach from Jack Dempsey without flinching.”

Boxing and Pilates actually seem to fit very well!

Joseph Pilates und das Boxen

Boxen und Pilates – für mich waren das immer zwei Welten, die nichts miteinander zu tun hatten. Bis ich anfing mich näher mit dem Leben von Joseph Pilates zu befassen, und feststellte, dass das Boxen seine große Leidenschaft war.

Das Boxen zieht sich wie ein roter Faden durch Pilates‘ Leben. Er lernte es von seinem Vater, einem begeisterten Turner, für den das Boxen genau wie die Übungen an Geräten zum Turnen dazugehörte. Das war nicht selbstverständlich, denn im Preußen des späten 19. Jahrhunderts galt Boxen allgemein als roher Sport, als typisch englisch und damit unpatriotisch, öffentliche Boxveranstaltungen waren verboten.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war Joseph Pilates in England. Wie alle deutschen Männer wurde er wenige Monate nach Kriegsbeginn als „feindlicher Ausländer“ interniert. Am 12. September 1915 wurde er aus einem Lager in Lancaster auf die Isle of Man überführt, ins Internierungslager Knockaloe. Unter den Internierten – über 20 000 Männer aus Deutschland, Österreich und der Türkei – waren viele Boxer. Erfahrene Männer wie der Stuttgarter Toni Abele, der in England als Profi geboxt hatte, und junge Talente wie der spätere deutsche Meister im Schwergewicht, Hans Breitensträter. Das Training konnte beginnen!

Joseph Pilates wurde schnell zu einem wichtigen Teil der Boxergemeinschaft von Knockaloe. In der Knockaloe Lager Zeitung vom 25. Januar 1917 gibt es sogar einen Bericht über einen Kampf, in dem Joseph Pilates Ringrichter war. Und die Box-Sport schreibt am 15. Dezember 1920 über ihn: „Josef Pilates, allen in England interniert gewesenen Boxern und Sportsleuten wohl noch bestens bekannt…“

Wie intensiv und hochklassig das Training war, das die Boxer in Knockaloe organisierten, zeigte sich in den zwanziger Jahren. Zurückgekehrt aus der Internierung läuteten die Boxer aus Knockaloe das erste goldene Zeitalter des Boxsports in Deutschland ein und dominierten über Jahre die Boxszene. Hans Breitensträter, der Meister im Schwergewicht, war der schillerndste Repräsentant dieser Gruppe. Joseph Pilates mischte ebenfalls mit, wenn auch nicht auf der höchsten Profiebene: Er eröffnete eine Boxschule in Gelsenkirchen und stieg selbst in den Ring. 1922 berichtete die Box-Sport über mehrere Profikämpfe von Joseph Pilates. Dieser Bericht über einen Kampf gegen den ehemaligen deutschen Meister im Mittelgewicht, Fritz Dubois, der ebenfalls in Knockaloe interniert war, vom 5. März 1922 im Zentral-Theater in Gelsenkirchen ist so ausführlich, dass man sich fühlt, als wäre man dabei gewesen:

Box-Sport 1 Box-Sport 2

Als Joseph Pilates 1923 nach Hamburg zog, machte er zwar seine Boxschule zu und beendete seine aktive Boxerkarriere, das Boxen spielte aber nach wie vor eine wichtige Rolle in seinem Leben. Er unterrichtete Polizisten der Hamburger Ordnungspolizei in Selbstverteidigung, konkret bedeutete das damals: Boxen und Jiu Jitsu. Und er sah sich die hochklassigen Profikämpfe an, die der Promoter Walter Rotenburg in Hamburg veranstaltete. So lernte Joseph Pilates Nat Fleischer kennen, den Boxjournalisten aus New York, der das Ring Magazine gegründet hatte. Nat Fleischer war auf der Suche nach einem möglichen Herausforderer für den Schwergewichtschampion Jack Dempsey. Joseph Pilates wurde fündig: Er wies Nat Fleischer auf den talentierten jungen Boxer Max Schmeling hin. Und Fleischer zögerte nicht lange. Er holte Schmeling in die USA und half ihm, dort ins Geschäft zu kommen.

Joseph Pilates selbst war schon vor Schmeling in New York. Er wanderte im April 1926 in die USA aus. Nat Fleischer unterstützte ihn bei der Wohnungssuche und bei seinem Einbürgerungsantrag. Außerdem vermittelte er ihm Klienten – und so kam es, dass zu den ersten Klienten, die das Studio besuchten, das Joe Pilates in der New Yorker 8th Avenue einrichtete, viele Boxer gehörten. So gelangte 1932 Charlie Massera in Joe’s Studio: ein junger vielversprechender Schwergewichtler aus Pennsylvania. Der Daily Republican aus Monongahela, Pennsylvania, schrieb am 9. Februar 1934 über das Training, das Massera im Pilates-Studio erhielt: „Innerhalb von drei Monaten härtete Massera seine Muskeln in einem solchen Ausmaß ab, dass er einen massiven Faustschlag von Jack Dempsey in den Bauch einstecken könnte ohne zusammenzuzucken.“

Boxen und Pilates passen offenbar recht gut zusammen!

 

(Geändert am 14.7.2015)

Herzlichen Dank an die Redaktion der Box-Sport dafür, dass ich den Artikel verwenden durfte: www.boxsport.de

Historische Fotos und weitere Infos zu den einzelnen Boxern von Knockaloe gibt es im i-museum des Manx Museums von der Isle of Man: http://www.imuseum.im/FamilyHistory/QuickSearch.mth?quicksearchstatus=closed&quicksearchtext=boxing

Zum Internierungslager Knockaloe empfehle ich die Website des Vereins „Knockaloe and Patrick Visitors Centre“: http://knockaloe.im/