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Starke Frauen 2 – Romana Kryzanowska

Romana
Interview mit Cathy Barker Strack, Pilates Trainerin und Biografin von Romana Kryzanowska
Liebe Cathy, du recherchierst seit mehreren Jahren über das Leben von Romana Kryzanowska und schreibst ein Buch über sie – es ist großartig, dass ich mit dir über sie sprechen kann!
 
Als erstes möchte ich fragen, wie du dazu gekommen bist, dich so sehr für Romanas Leben zu interessieren? Wann hast du beschlossen, eine Biografie über sie zu schreiben?
 
Als Pilates Trainerin habe ich mich schon immer für die Geschichte der Methode interessiert. Romana stach damals als eine der beeindruckendsten Persönlichkeiten heraus, die noch unterrichteten und trainierten. Die Geschichten über ihre Art zu unterrichten sind so legendär wie die über Joseph Pilates. Während es einige Informationen über Joes Leben gab, war kaum etwas bekannt über das Leben von Romana. Eine Klientin von mir, Carol J. Craig, fing an sich auch für dieses Thema zu begeistern und half mir mehr über Romana herauszufinden. Carol hat Erfahrung mit Genealogie und sie war in der Lage spannende Informationen über Romanas Eltern und Großeltern zu finden. Romanas Eltern waren Künstler in Detroit und Romana wurde in der Nähe der Stadt Farmington, Michigan, geboren. Die Tatsache, dass es von uns aus nach Michigan nur eine kurze Fahrt von drei Stunden war, machte es leicht, an weitere Informationen zu kommen.
Es endete so, dass wir Carols Einzeltrainingsstunden damit verbrachten über die Dinge zu sprechen, die wir über Romana und ihre Familie herausgefunden hatten. Dass zum Beispiel ihre Großmutter väterlicherseits eine Baronin war, während ihr Großvater mütterlicherseits eine Fabrik für Kutschen besaß. Und endlos viele Geschichten über die wilden Abenteuer ihrer Tanten und Onkel auf beiden Seiten der Familie. Diese Menschen haben beeinflusst, was für ein Mensch Romana wurde: als Tochter, Mutter, Trainerin und Freundin für viele auf der ganzen Welt. Irgendwann kam der Punkt, an dem Carol und ich uns anschauten und merkten, dass jemand Romanas Geschichte erzählen musste. Warum nicht wir?! Unser nächster Schritt war, Romanas Familie zu kontaktieren und um ihr Einverständnis zu bitten. Sie waren einverstanden und los ging’s. Romanas Geschichte konnte nicht erzählt werden, ohne den Segen und die Hilfe ihrer Familie. Wir haben 5 bis 6 Jahre lang recherchiert und seit einem Jahr schreiben wir an dem Buch.
 
Kannst du uns mehr darüber erzählen, wie die junge Balletttänzerin Romana das erste Mal Joseph Pilates traf?
 
Dazu gibt es wirklich nicht so viele neue Informationen. Romana hat diese Geschichte selbst so oft erzählt. Sie tanzte damals an der Balanchine Schule, hatte einen verletzten Knöchel und George Balanchine brachte sie zu Joe, damit der ihr helfen konnte, wieder gesund zu werden. Joe  erkannte ihr Talent, seine Übungen zu lernen und vorzuführen. Leider wusste Romana zu diesem Zeitpunkt die Arbeit, die sie bei Joe Pilates machte, nicht wirklich schätzen.  Sie wollte ihre Lehrer und ihre Mutter nicht enttäuschen, deshalb machte sie mit. Als idealistischer Teenager sag sie sich jedoch als Tänzerin, sie strebte nach größeren Rollen auf der Bühne. Sie wollte einfach nur tanzen.
 
Romana entwickelte eine Leidenschaft für die Pilates-Methode und konnte die Übungen sehr schnell auf wunderbare Art und Weise ausführen. Es gibt großartige Filmaufnahmen von ihr, wie sie in den frühen 1940er Jahren im Pilates-Studio trainiert. War es hart für sie, das hinter sich zu lassen, als sie sich 1944 entschloss mit ihrem Mann Pablo Mejia nach Peru zu gehen? Hielt sie Kontakt zu Joe und Clara?
 
Ich glaube nicht, dass es ihr schwer fiel zu gehen. Sie war jung und impulsiv. Ihre Mutter und ihr Stiefvater stellten sie Pablo Mejia vor, der sehr charismatisch und wohlhabend war. Er versprach ihr ein Luxusleben, dazu gehörte auch die Aussicht, in Peru ein eigenes Tanzstudio zu eröffnen. Der Großteil ihrer Familie unterstützte sie in ihrer Entscheidung und machte sich auf in Richtung eines besseren Lebens, als das, was sie in New York hätte führen können.  
 
Sie konzentrierte sich weiterhin auf den Tanz und Pilates war ein Mittel, um besser zu tanzen. Ich glaube, das war der Grund, warum sie den Kontakt hielt. Als ihre Kinder auf die Welt kamen, brauchte sie Joes Hilfe, um Übungen zu entwickeln, die ihnen helfen würden, sich besser zu entwickeln und zu wachsen. Vor allem ihre Tochter Sari hatte unter einer Krankheit gelitten und brauchte Pilates Übungen, um wieder ganz gesund zu werden.
 
Nachdem Romana Kryzanowska 1958 in die Vereinigten Staaten zurückkehrte, wurde sie bald eine sehr wichtige Figur im Pilates-Studio. Kannst du uns mehr über ihre Rolle im Studio in dieser Zeit erzählen?
 
Ich denke, zu Beginn war sie eher eine Randfigur. Sie musste ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre Familie unterstützen. Das hieß, dass sie Ballett unterrichtete und nebenbei Pilates unterrichtete. An einem Punkt vereinigte sie sogar die beiden Welten, als das Clar Center für die Tanzabteilung im gleichen Gebäude Räume mietete, wo sich auch das Pilates-Studio befand – und sie arbeitete für beide. Nachdem sie aus Peru zurückgekehrt war, verließ sie Pilates nie wieder. Es war immer für sie da: die Arbeit in ihrem Körper und die Arbeit, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Tanzen war zwar ihre erste Liebe, ich denke aber nicht, dass es so lukrativ für sie war.
Nachdem Joseph Pilates 1967 starb, führte Romana das Pilates-Studio weiter. Es gibt eine Diskussion darüber, ob Joseph Pilates sie als seine Nachfolgerin sah oder nicht. Meiner Ansicht nach, tat er es nicht, obwohl er so eng mit ihr zusammengearbeitet hatte – und zwar deshalb, weil sie eine Frau war. Wie schätzt du das ein?
 
Eine der interessanten Informationen, die ich bei meinen Recherchen entdeckt habe, ist, dass Joe sich in vielen verschiedenen Fällen und im Hinblick auf unterschiedliche Personen die Hoffnung machte, einen Nachfolger gefunden zu haben. Und das ging bereits in den später 1930er Jahren los. Die Frage ist nicht einfach, wer übernehmen sollte, wenn er sterben würde. Er mochte das Stadtleben nicht und verbrachte regelmäßig Zeit auf dem Land. Er wollte, dass jemand das Studio übernahm, damit er mehr Zeit auf dem Land verbringen konnte, wo er ebenfalls unterrichten und Trainer in seiner Methode ausbilden wollte.
 
Er hatte mehrere Nichten und Clara hatte eine Nichte, Irene, sie alle wurden ins Studio gebracht, um sich ausbilden zu lassen und zu unterrichten; die Hoffnung war, dass sie das Studio übernehmen könnten. Aber, tja, sie waren jung und hatten andere Ideen. Sie wollten heiraten, eine Familie gründen. Es gab auch einige Trainer, von denen wir wissen, wie z. B Hannah, einige männliche Tänzer und andere, von denen wir vielleicht nie erfahren werden, die er in Betracht zog, um das Studio zu übernehmen. Ich denke, dass Joe zu dem Zeitpunkt, als Romana aus Peru zurück kam, in der Lage war, aus seinen früheren Fehlern zu lernen. Besonders, dass er stärker daran interessiert war, dass ein anderer das Studio übernehmen würde, als dieser andere daran interessiert war, es tatsächlich zu übernehmen. Bei Romana war das anders, sie hatte Interesse daran und sie hatte die Fähigkeit dazu. Sie hatte bereits eine Familie gegründet und würde nicht dadurch in Anspruch genommen werden, wie es bei seinen Nichten passiert war. Als er das gegen Ende seines Lebens erkannte, ließ Joe Romana so viel wie möglich von seiner Arbeit aufschreiben. Sie bewahrte diese Notizen und sein Vermächtnis.
 
Überall auf der Welt gibt es Pilates-Trainerinnen und Trainer, die von Romana ausgebildet wurden – und sie There are many Pilates teachers all around the world who have studied with Romana – sie vergöttern sie. Was machte sie zu einer so exzellenten Lehrerin?
 
Das war ihre Gabe, ihr ganz spezielles Talent. Bei ihr verband sich ihre Fähigkeit zu unterrichten (was sie als Ballettlehrerin entwickelt hatte), mit einer angeborenen Begabung die Übungen auszuführen und einem vorbehaltlosen Vertrauen in die Pilates-Methode, das in ihrer engen Beziehung zu Joe und Clara wurzelte. Sie verfügte auf über das heilende Talen zu verstehen, was jeder Mensch braucht, ob es nun ein Klient war oder einer der Trainer, die sie ausbildete. Romanas Großmutter mütterlicherseits hatte ebenfalls diese Gabe. Ihre Großmutter führte ein Geburtshaus und war die Hebamme bei Romanas Geburt. Was uns zurück zu ihrer Familie bringt und zu deren Wichtigkeit in ihrem Leben.
Was war Romanas wichtigster Beitrag zur Geschichte der Pilates-Methode? Wie hat sie zu dem enormen Erfolg der Methode beigetragen?
 
Es gibt zwei maßgebliche Beiträge, die sie geleistet hat. Zum einen würde die Welt nicht wissen, was die Pilates-Methode in ihrer pursten Form beinhaltet, wenn sie ihr Leben nicht dem Unterricht dieser Methode gewidmet hätte. Zweitens hat sie in ihren besten Schülerinnen und Schülern eben diese Leidenschaft geweckt, ihre Arbeit weiterzuführen. 
 
Cathy, ganz herzlichen Dank dafür, dass du dir die Zeit genommen hast, diese Fragen zu beantworten! Ich kann es nicht abwarten, dein Buch zu lesen!

Über Cathy Strack:

cropped color(1)Cathy Strack begann 2001 sich mit der Pilates-Methode zu beschäftigen – in dieser Zeit arbeitete sie als Personal Trainer. 2003 erwarb sie ihr Pilates-Trainer Zertifikat bei den White Cloud Studios in Cleveland, derzeit nimmt sie am Power Pilates Bridge Programm teil. Sie unterrichtet im BodyMind Balance-Studio in Cincinnati. Sie hat einen Master in Klinischer Psychologie und arbeitete früher Therapeutin. Cathy hat das Pilates Pamphlet, ein Teil der Pilates Geschichte, neu herausgegeben und schreibt eine Biografie über Romana Kryzanowska.
Ihr könnt Cathy per Email erreichen, unter: cbsphit@frontier.com
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Starke Frauen 1: Carola Strauss-Trier

Die starken Frauen der Geschichte der Pilates-Methode, 1

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Carola am Reformer (with permission of Jillian Hessel, http://www.jillianhessel.com/store.html#pposter)

Carola Strauss-Trier eröffnete das erste Pilates-Studio weltweit – nach Joseph Pilates selbst natürlich. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, die Pilates-Methode auf dem Gebiet der Rehabilitation zu etablieren. Ihre Lebensgeschichte ist mindestens so aufregend wie die von Joseph Pilates – sie enthält jedoch so viel Leid und Schrecken, dass es schwer zu ertragen ist. Ihre Memoiren konnte sie nicht zu Ende schreiben, weil viele ihrer Erinnerungen zu schmerzhaft waren – und doch hat sie überlebt, weitergelebt und Großes geleistet!

Carola wurde 1913 in Frankfurt am Main geboren. Ihr Vater war Eduard Strauß, ein renommierter Chemiker, der aber auch vergleichende Religionswissenschaften am „Jüdischen Lehrhaus“ in Frankfurt unterrichtete. Carola wuchs in einem inspirierenden intellektuellen Umfeld auf – Martin Buber und Franz Rosenzweig waren enge Freunde der Familie. Sie selbst schlug eine künstlerische Laufbahn ein und begann eine Tanzausbildung an der Folkwang-Schule in Essen.

1933 kamen kurz vor ihrem 20. Geburtstag die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht – die Mehrheit der Tänzerinnen und Tänzer unterstützte diese „Bewegung“, von der man sich Erneuerung versprach und neuen Ruhm für die deutsche Nation. Doch für Carola als Jüdin war es eine Katastrophe. Während der ersten zwei Jahre der Nazi-Diktatur hielt sie sich mit kleinen Engagements in Unterhaltungsshows über Wasser und versuchte vor allem nicht aufzufallen. 1935 hielt sie die Angst nicht mehr aus und ging nach Frankreich. Ohne Dokumente, als halblegale Immigrantin, schlug sie sich als Tänzerin in Nachtclubs durch. Auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive begann sie sich für Akrobatik zu interessieren und lernte dabei den Akrobatik-Lehrer Marcel Naydorf kennen. Die beiden verliebten sich ineinander. Sie entwickelte ihre eigene Rollschuh-Show, die ein Erfolg wurde, und ihr Leben begann, sich ein wenig zu stabilisieren.

Da brach der Zweite Weltkrieg aus. Die deutsche Wehrmacht marschierte im Norden Frankreichs ein und Carola wurde interniert – von den Franzosen. Aus französischer Sicht war sie eine Deutsche, eine feindliche Ausländerin. Dass sie vor den Nazis geflüchtet war, spielte erstmal keine Rolle. Aus Paris wurde sie in das Internierungslager Gurs gebracht. Marcel Naydorf folgte ihr, versorgte sie dort mit zusätzlichen Lebensmitteln und es gelang ihm, ihre Entlassung zu bewirken.

Es folgten wieder Jahre der Angst. Carola lebte mit Marcel in der sogenannten freien Zone, dem Teil von Frankreich, den die Wehrmacht noch nicht besetzt hatte. Sie wartete verzweifelt auf ein Visum für die Vereinigten Staaten, denn es war vollkommen klar, dass ihr Leben in höchster Gefahr war. Im Juni 1942 bekam sie endlich eine Einreisegenehmigung für die USA. Es war eine Rettung im letzten Moment: Kurz nachdem sich Carola auf die komplizierte Reise über Algerien in Richtung Casablanca aufgemacht hatte, wurde in der „freien Zone“ im Auftrag der Deutschen eine Razzia durchgeführt, bei der  tausende Jüdinnen und Juden festgenommen und nach Auschwitz deportiert wurden.

Nach ihrer Ankunft in den USA wurde Carola erneut interniert: In Fort Howard bei Baltimore überprüfte nun die amerikanische Seite, ob sie tatsächlich als schutzbedürftiger Flüchtling oder nicht doch als feindliche Ausländerin einzustufen sei. Ohne ihren Partner, der kein Visum für die USA erhalten hatte, musste sich Carola nun erneut ein neues Leben aufbauen. Carola fing bald wieder an zu tanzen und sie trat mit einer Rollschuh-Show auf – ihre Rollschuhe waren einer der wenigen Gegenstände, die sie aus Europa mitgenommen hatte. Dann hatte sie 1944 einen schweren Bühnenunfall. Ihr behandelnder Arzt im Lennox Hill Hospital in New York, Dr. Henry Jordan, empfahl ihr für die Rehabilitation das Studio von Joseph Pilates. Er selbst trainierte auch dort.

Die erste Begegnung zwischen Joe und Carola stelle ich mir schwierig vor. Hätte sie eine Wahl gehabt, hätte die junge Frau nach Jahren der Verfolgung durch die Nazis sicher nicht einen Mann wie Joe Pilates mit seinem starken deutschen Akzent ausgewählt, um ihre Reha durchzuführen. Da sie ihrem Arzt Dr. Henry Jordan jedoch vollkommen vertraute, ließ sie sich darauf ein. Und sie war begeistert! Sie war fasziniert von der Effektivität der Pilates-Methode. Sie erkannte, dass Joseph Pilates eine großartige Methode für die Rehabilitation von Tänzern entwickelt hatte. Sie blieb auch nach ihrer erfolgreichen Rehabilitation ständiger Gast im Pilates-Studio und hospitierte, wenn Joseph Pilates mit Reha-Patienten arbeitete.

Zusätzlich bildete sie sich im medizinischen Bereich weiter. Sie hospitierte bei Dr. Henry Jordan und begann, ihn bei der Rehabilitation von Tänzerinnen und Tänzern zu unterstützen. Ende der Fünfziger Jahre, nachdem sie also über zehn Jahre lang im Pilates-Studio von Joseph Pilates gelernt hatte, entschloss sie sich, ein eigenes Studio zu eröffnen. In der Zwischenzeit hatte sie Edgar Trier geheiratet und so eröffnete sie das Studio als Carola S. Trier.

Ihr Studio befand sich in der 58. Straße in New York, nur zwei Blocks von Joes und Claras Studio in der Eighth Avenue entfernt. Durch ihre enge Zusammenarbeit mit Ärzten – neben Henry Jordan arbeitete sie auch intensiv mit dessen Kollegen Dr. William Liebler vom Lenox Hill Hospital zusammen – und ihre Kontakte ins Showbusiness hatte Carola Trier von Beginn an großen Zulauf von Klientinnen aus der Tanzwelt. Ihr straff geführtes, schickes Studio war anders als das Orginal.

Carola Triers Studio war modern und eher zurückhaltend eingerichtet, während sich viele Klienten in Joseph Pilates’ Studio mittlerweile wie bei einer Zeitreise fühlten. Während in der Eighth Avenue jede und jeder selbst für sein Training verantwortlich war, arbeitete man bei Carola Trier one on one. Sie und ihre Assistentinnen bereiteten die Geräte für die Übungen vor, gaben Anweisungen und Feedback. Das Studio lief so gut, dass Carola Trier mehrere Assistentinnen einstellen konnte. Zu ihren Assistentinnen gehörten über die Jahre große Namen wie Romana Kryzanowska und Kathy Grant.

Es gab aber auch einige Gemeinsamkeiten zwischen Carola Trier und Joseph Pilates. Wie er wirkte sie streng und konnte leicht explodieren. Wie Joseph Pilates mochte sie es nicht, wenn in ihrem Studio viel geredet wurde. Und wie er hatte sie zeitlebens einen deutschen Akzent. Eine weitere Gemeinsamkeit war das Interesse, die eigene Arbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch in diesem Bereich war Carola Trier äußerst erfolgreich. 1961 berichtete das Dance Magazine in zwei Artikeln über ihre Arbeit mit Tänzerinnen. 1963 gelang es ihr mit einigen selbst entwickelten Übungen sogar in die Newsweek und die Vogue zu kommen.

“Neue Wege zu einer besseren Figur”, hieß es in der Vogue vom Mai 1963, “nutze jeden Schritt, den du machst […] Ein Grundrezept aus Carola Triers Trainingsstudio, wo schönere Figuren produziert und Ballettnamen ganz nach oben katapultiert werden.” Da sie in den Hochglanzmagazinen nur eigene Übungen präsentiert hatte, war es aus Carolas Sicht nicht nötig gewesen, den Namen von Joseph Pilates zu erwähnen. Er sah das anders und das Verhältnis der beiden kühlte in den letzten Jahren vor seinem Tod merklich ab.

Aus heutiger Sicht hat die Arbeit von Carola Trier Joseph Pilates und seiner Methode jedoch enorm genutzt. Bis 1986 führte sie ihr erfolgreiches Studio in New York City. Ihre Arbeit im Bereich der Rehabilitation war die Voraussetzung dafür, dass Pilates heute in der Reha weltweit genutzt wird, mittlerweile in der Wirkung durch zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigt. Carola Trier bildete zahlreiche Trainerinnen und Trainer aus, die heute zu den einflussreichsten der Pilates-Welt gehören: Lolita San Miguel, Alan Herdman, Deborah Lessen, Jillian Hessel und viele mehr. Sie war es, die Patin für einen Berufsweg stand, den heute unzählige Tänzerinnen und Tänzer gehen, wenn sie ihre aktive Karriere beendet haben: sie werden Pilates-Trainer!

Mehr über Leben und Werk von Carola Strauss-Trier :

Doku und Interviews über Carola auf Pilates Anytime

Ihre unvollendeten Memoiren (Leo Baeck Institute)

Jilllian Hessel im Pilates Style Magazine über ihre Mentorinnen Carola Trier und Kathy Grant

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